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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 623

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Zwei hygienisch-diätetische Abhandlungen des Maimonides
Date
1929-02-01
Page
623 (sequence 4)
Language
German
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Zwei hygienisch-diätetische Abhandlungen des Maimonides der Ärzte und über seine Selbstbeobachtungen. In der Mehrzahl der Fälle erklärt sich Maimonides mit den Ratschlägen der Ärzte einverstanden. Übrigens wissen wir bereits aus der Biographic des Maimonides bei dem arabischen Bibliographen Ihn al-Qifti, daß Maimonides als Leibarzt des Kadi al-Fadil, des bedeutenden Kanzlers Saladins, mit seinen Kollegen immer auf gutem Fuße gestanden hatte. Einige Male allerdings widerspricht er denjenigen Ärzten, welche den Sultan einer Fieberdiät unterziehen oder ihm starke Brechmittel verabfolgen wollten. Auf Gymnastik und Bad legt Maimonides großen Wert, um so mehr, da der Schlaf des Sultans ein guter „und ein klarer Beweis dafür war, daß die schwarzgalligen (melancholischen) Dünste nicht das Gehirn belästigten". In Kap. 19—21 gibt dann Maimonides seine eignen Ratschläge, in bezug auf Arzneibehandlung, Diät und Lebensweise. Die Regelung der letzteren ist ganz genau, Stunde für Stunde, ausgearbeitet: der Fürst soll sich bei Sonnenaufgang erheben, einen Honig trank nehmen, nach einer Stunde ausreiten, danach ruhen, trockne Südfrüchte genießen, sich dann von einem Sänger in Schlaf singen lassen. Nach dem Erwachen wird Lektüre und Unterhaltung empfohlen, dann Einnehmen von Buglossum Wurzelrinde in Wein, einer Droge, die schon von den Griechen als Frohsinn erzeugend „Euphrosyne" genannt wurde; danach leichtes Abendessen und zwei Stunden Musik bis zum Einschlafen. Für einzelne Tage, für Bad, Geschlechtsgenuß, Gymnastik, Kälte, Hitze usw. werden ebenfalls genaueste Vorschriften angefügt. Maimonides schließt seine Schrift mit einer Entschuldigung: „Unser Herr tadle nun seinen geringen Diener nicht deswegen, weil er in dieser seiner Abhandlung die Anwendung des Weines und der Gesänge erwähnt hat, welche das (islamische) Religionsgesetz alle beide verabscheut. Der Diener befiehlt ja nicht, das zu tun, sondern er erwähnt nur das, was sein Fach erheischt ... Die Medizin weist nur auf das Nützliche hin und warnt vor dem Schädlichen, zwingt aber nicht dazu und straft nicht dafür!" Man sieht, wie vorsichtig der nichtmuslimische Arzt sein mußte, um nicht die orthodoxen Gefühle der Hofklique zu verletzen. Ob al-Afdal Nur ad-Din von seinem Leiden geheilt worden ist, berichtet die Geschichte nicht. Seine düsteren Vorahnungen aber erfüllten sich nur zu bald: im Jahre 1200 verlor er den Thron von Ägypten, Palästina und Syrien an seinen Oheim Saif ad-Din, vermochte nicht wieder zur Herrschaft zu gelangen und starb als kleiner Vasall 1225. Maimonides mußte noch 1201—1202. die schrecklichen Katastrophen erleben, welche Ägypten heimsuchten: Hungersnot, Pest und ein Erdbeben, bekannt durch die ergreif ende Schilderung des Bagdader Arztes Abdal-Latif. Ende 1204 erlag Moses ben Maimon im Alter von 69 Jahren seinen zunehmenden Leiden. Jene zwei diätetischen Abhandlungen aber, welche Kroner jetzt zum ersten Male in ihrer arabischen Urform herausgegeben hat, haben den Verfasser wie den Kranken lange überlebt. Sie wurden schon im i3. Jahrb.. n. Chr. in das Hebräische und Lateinische übersetzt, und schon im i5. Jahrh. gedruckt. Sie haben im Morgen- und im Abendlande großes Aufsehen erregt und im letzteren zur Ausbreitung der sogenannten arabistischen Medizin viel beigetragen. Noch bis ins 623

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