Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Zwei hygienisch-diätetische Abhandlungen des Maimonides
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 620 (sequence 1)
- Language
- German
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Zwei hygienisch-diätetische Abhandlungen des Maimonides Von Max Meyerhof Ich habe vor einigen Monaten in Kairo in der Forschungsgesellschaft für jüdische Geschichte über „Jüdisch-arabische Ärzte in Ägypten" einen Vortrag gehalten. Zu diesen meinen Ausführungen möchte ich aus Arbeiten, die sich auf das Thema beziehen, noch einiges ergänzend hinzufügen. Während Steinschneider, Pagel und J. Münz die literargeschichtlichen Vorarbeiten über das medizinische Wirken des großen Maimonides geliefert haben, hat Bezirksrabbiner Dr. Hermann Kroner das Verdienst, als erster und bisher einziger fünf von den zehn ärztlichen Schriften des Arztphilosophen im arabischen Originaltext unter Benutzung der hebräischen und lateinischen Übersetzungen herausgegeben zu haben. Es ist fast beschämend für die vielen in Kairo lebenden jüdischen Ärzte, insbesondere diejenigen, welche arabisch und hebräisch als Muttersprache in Wort und Schrift beherrschen, daß keiner von ihnen an der Stätte seines Wirkens selbst jemals an eine Bearbeitung ärztlicher Schriften des Maimonides gedacht hat, sondern daß dies einem jüdischen Geistlichen in dem württembergischen Städtchen Oberdorf-Bopfingen vorbehalten geblieben ist. Zur Entschuldigung ist nur anzuführen, daß den meisten Ärzten hier Schulung und Interesse für historische Forschung fehlt, und daß gerade in den ägyptischen Bibliotheken nicht eine einzige medizinische Handschrift des Maimonides nachweisbar ist. Die Erinnerung an sein Wirken lebt nur in der Form eines krassen Aberglaubens fort: Kranke lassen sich in die „Schul des Rambam" im alten Ghetto von Kairo tragen und bringen dort eine Nacht zu — gegen Trinkgeld an den Wächter der Synagoge —, in der Hoffnung, vom Geiste des Arztes und Weisen Heilung zu erlangen. Dies ist einfach eine Fortsetzung der heidnischen Sitte des „heilenden Tempelschlafes". H. K r o n e r hat sein ganzes Leben lang den literarischen Werken des Rabbi Moses seine Aufmerksamkeit geschenkt. Schon 1898 gab er als seine Doktor- Arbeit den Kommentar des Maimonides zum Traktat Bezah heraus, 1901 denjenigen zu den Pesachim. Nach diesen Geselzestraktaten wandte sich K r o n e r alsbald den ärztlichen Schriften des Mai- 620