Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 617

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Zur Geschichte des jüdischen Geldes in den verschiedenen Zeitepochen
Date
1929-02-01
Page
617 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2895450-2895475-2895482-2899413--03322-2899541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte des jüdischen Geldes in den verschiedenen Zeitepochen sogar eine jüdische Königin, Salome Alexandra, von 76 bis 67 unter ihrem Namen Münzen fertigte. — An der Entwicklung ihrer Münzprägung können wir Geistesrichtung, Kunslgefühl und politische Lage der jeweils lebenden alten Juden genau verfolgen. So in den Epochen nationaler Gesinnung, z. B. während der Aufstände gegen die Römer, da die Zeit in eigner Sprache Befreiungsparolen diktierte und Volkssymböle abgebildet wurden, oder als die Römerbedrückung das Land überschwemmte. Und merkwürdig ist es, daß die Bilder dieser Kulturdokumente allem Anschein nach auf die gleiche rein ornamental-dekorativ-orientalische Art geschaut wurden. Die althebräische, oft auch als samaritanisch betrachtete Schrift all jener Münzen weist ziemliche Unregelmäßigkeiten auf. Von den einzelnen Buchstaben bestehen sogar bis ein Dutzend sich einander häufig nicht ähnelnder verschiedener Zeichen, die des öftern mit andern Buchstaben täuschendste Ähnlichkeit zeigen. — Durch den während des Bruderkrieges Hyrkans II. und Aristobuls II. herbeigerufenen Pompejus bekam Palästina römische Landpfleger, als ersten Antipater, den Idumäer. Der Sohn dieses Ethnarchen wurde Gemahl der letzten Hasmonäerin Mariamne. Es war der gefürchtete und gehaßte Römergünstling Herodes der Große, der Begründer des Geschlechtes der acht herodianischen Könige, der selbst seine Gemahlin und 3 Söhne hinrichten ließ und von 37 bis 4 v. Chr. regierte. Seine Münzen ähnelten denen Roms merklich. Ein mächtiger Helm zeigt seine kriegerische Macht, ein Füllhorn seinen Ruhm. Die Inschriften sind griechisch. Merkwürdig ist der auf dem Gelde seines Enkels Agrippa I., des letzten jüdischen Königs abgebildete Fürstenschirm, ein altes Hoheitszeichen in jenen Epochen. In dieser bewegten Zeit, in der Rom über Juda stärkeren Einfluß bekam, wurde, nachdem Herodes Archelaus von Augustus in die Verbannung geschickt worden war, die Landpflegerschaft dadurch symbolisiert, daß unter zwölf Ethnarchen in Palästina Kupfergeld auf die jeweiligen Kaiser Roms geprägt wurde. Die Stücke, die Pontius Pilatus anfertigen ließ, zeigen drei streng symmetrisch verteilte Ähren; rückseits ist ein merkwürdiges, wahrscheinlich dem Tempel durch Kaiser Hadrian gespendetes Gefäß gezeichnet, das auf schön geformtem Topf einen breiten Deckel ruhen läßt. Andre Münzen überliefern uns die Form der schmalen Kriegsschilde und der Lanzen. "Als die Bedrückungen von Kaiser und Ethnarch die gepreßten Juden zum äußersten trieben und unter Nero Cassius Florus aus Palästina vertrieben wurde, prägten die Führer jener großen Erhebung wieder hebräisches Geld in Silber und Bronze. Stolz steht auf ihm „Befreiung Israels" oder „Befreiung Jerusalems" im Kranz oder um einen Olivenzweig neben schlankem Krug, und auf der Rückseite prangt „Simeon", der Name des Führers, des Sohnes des Giora. Außerdem prägten Simeon Ben Gamaliel und der Zelotenführer Eleazar Ha-Kohen eigene Münzen. Schwungvoll geformte Amphoren und rückwärts fein geränderte Weinrebenblätter sind auf dem Geld, um die die Aufschrift „Befreiung Zions" gelegt ist. Außerdem sind uns aus diesem Zeitabschnitt Münzen mit Abbildern kräf- 617

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.