Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Geldes in den verschiedenen Zeitepochen
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 618 (sequence 4)
- Language
- German
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Rudolf R. Heda tiger Weintrauben, dem schon bei den Kundschaf lern erwähnten Sinnbild kanaanilischcr Fruchtbarkeit, und von Palmen erhallen. In dieser Zeit tobte furchtbarer Kampf. Titus und Vespasian konnten nach langwogendem Krieg, in dem nach der wohl übertriebenen Mi tjilung Flavius Josephus eine Million einhunderttausend Juden ihr Leben zur Rettung des "Vaterlandes gaben, im Jahre 70 n. Chr. Jerusalem zerstören. Drei Jahre später fiel der letzte Stützpunkt, die Festung Massada, nach einjähriger Belagerung durch Selbstmord der gesamten heldenmütigen Besatzung. Simeon Ben Giora wurde im Triumphzug nach Rom geschleppt und den tarpejischen Felsen hinabgestürzt. Jehochanan, der Zelotenführer, starb im Gefängnis. Die Münzen dieser Führer, die Roms Gnade während der Belagerung und Einnahme der heiligen Stadt stets verschmäht halten, aber bestehen heute noch, von Ben Giora übrigens aucn eine ganz merkwürdige und seltene, 36 mm im Durchmesser betragende Bronzemünze, die sowohl das Bild einer breiten zweihenkligen Amphora, als die Aufschrift „Simeon, Fürst in Israel" aufweist und in ihrer Ausführung und Größe von allen sonst bekannten jüdischen Münzen stark absticht. Das Heilige Land mußte sich jetzt Münzen, auf denen trauernd unter einer Palme Judaea sitzend und auf der Rückseite Vespasians und Titus' belorbeerte Siegerstirne zu sehen war, gefallen lassen. „Judaea capta" oder „Judaea devicta" hieß die Aufschrift. Zu Rom erstand der Titusbogen; Akiba schmachtete im Gefängnis, und unter Domitian begannen die ersten Judenverfolgungen. Aber noch war nicht alle Kraft gebrochen! Simeon Bar Kochba rüslete zum Aufstand, der i32 ausbrach und drei Jahre dauern sollte. Er prägte das letzte Judengeld. „Befreiung Jerusalems" ließ er daraufsetzen und mit. ihnen eine neue Zeilära beginnen. DeuiLch kann man noch jetzt auf vielen Stücken erkennen, daß er die im Land befindlichen römischen Denare einfach überprägen ließ, denn noch oft sind Bild und Schriftleile der kaiserlichen Römermünzen deutlich zu entziffern. In der großen Eile der Münzprägung kamen, wie schon bei Ben Giora, in dem einen Wort „Simeon" oft Prägefehler vor, so daß sich Geld mit den Aufschriften „Simen, Semo, Sime oder Simneo" im Umlauf befand. Hier herrscht noch öfters Zweifel, welchem der Simeone die einzelnen Stücke zuzurechnen seien. Auch gibt es meines Wissens über jüdische Münzkunde außer dem Britisa-Museum-Katalog kein neueres oder führendes Buch, und die Museen und Privalsammlungen, die ich sah, hatten die verschiedensten Sortierungen in dieser Hinsicht. Die rechte Kenntnis der jüdischen Münzen ist überhaupt neueren Datums. Zu Goethes Zeit noch bewies Tychsen die Unechlheit aller jüdischen Münzen mit scheinbarer Bestimmtheit! Daher isl heule noch nicht alles klargelegt. Für Bar Kochba aber sind die Bronzemünzen, die eine, gewöhnlich siebenbezweigie, streng stilisierte Palme und im Revers ein beranktes Weintraubcnblatt zeigen, jeden Fall charakteristisch. Außerdem die große, silberne Tetradrachme, die unter „Befreiung Jerusalems" oder „Wiederherstellung Israels" die alte Tempelpforte zur Erinnerung an einstige Größe und rückseits deutlich Lulab und Ethrog zeigt. Bar Kochbas Kampf war 618