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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 603

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Max Scheler
Date
1929-02-01
Page
603 (sequence 2)
Language
German
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Heinrich Levy: Max Scheler haftetes Lebewesen könnte der Mensch solche zentrale Bedeutung beanspruchen. So war es denn auch das den Menschen der Vergänglichkeit Enthebende, was Scheler in den Werken, die ihn zuerst in philosophischen Kreisen bekannt machten, als Gegenstand seiner Untersuchungen wählte. Hier aber gaben ihm die Lehren des Philosophen Husserl, an die Scheler sich anschloß, sogleich einen festen Halt. Wie im Altertum schon Plato, stellte Husserl dem unaufhörlichen Fluß des Seelenlebens, in Avelchem alles menschliche Streben seinen Sinn, alles Wissen seinen Wert zu verlieren scheint, ein unendliches Reich des ewig Bestehenden, fest Gegründeten, Wesenhaften gegenüber, durch das alles wechselnde Sein und Geschehen erst seinen Sinn empfängt; dieses Reich aber ist unserem inneren Schauen nach Husserl zugänglich, wenn wir nur die rechten von ihm beschriebenen Maßnahmen befolgen. Dieser Gehalt der Lehre Husserls von dem „Wesen" und von der „Wesensschau", die der Auflösung der Well und unsres Wissens von ihr in lauter Relativitäten und Fragwürdigkeiten ein entscheidendes Veto entgegensetzte, hatte trotz ihrer abstrakten Form schon seit dem Beginn unsres Jahrhunderts eine ungemein starke Wirkung ausgeübt Während nun aber Husserl diese Gedanken erst grundlegend für die allgemeine Erkenntnislehre entwickelt hatte, wurden sie für Scheler ein Werkzeug zur Behandlung des Problems, das unsre Zeit und ihn als ihren Sohn im Innersten bewegte: des Problems der Werte. Die Husserlsche Lehre gab ihm die Überzeugung, die höchsten durch Theorie und Lebensgefühl unsrer Epoche weithin erschüttert erscheinenden Werte sichern und eine Rangordnung zwischen allen Werten aufstellen zu können. Es sind schwierige Untersuchungen, in denen Scheler die Begründung dieser seiner Wertlehre, die Gliederung des Wertreichs und die Bestimmung des Verhältnisses des menschlichen Geistes zu ihnen unternahm. Als Hauptarten der Wertqualitäten ergaben sich ihm hierbei folgende: i. die des Angenehmen und Unangenehmen mit ihren Folgevverten, unter denen besonders die des Nützlichen und Schädlichen hervorzuheben sind; 2. die des Edlen und Gemeinen mit den zugehörigen Werten der Wohlfahrt und des Gegenteils — Scheler nennt sie Lebenswerte im Anschluß an Nietzsches Lebensphilosophie, nach der das Edle, Vornehme die höchste Steigerung des Lebens ist; 3. die geistigen Werte der Erkenntnis, des Schönen, der Rechtsordnung; 4die religiösen Werte des Heiligen. Diese Wertarten bilden eine Rangordnung, so, daß die niederste unter ihnen die des Angenehmen und Unangenehmen, die höchste die des Heiligen ist Die höheren Werte werden aber von den niederen vorausgesetzt: die Werte des An- 41 603

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