Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Max Scheler
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 602 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Sdieler Seine Lehre vom Ressentiment und seine Stellung zum Ideal der Humanität Von Heinridi Levy Zum Lesseren Verständnis des nachfolgenden Aufsatzes sei die Tatsache erwähnt, d e merkwürdigerweise auch in allen katholischen Würdigungen des Schelerschen Lebenswerkes fehlt, d-iß Scheler als Gymnasiast heimlich vom Judentum zum Katholizismus übergetreten ist. Seine Mutter entstammte der bekannten RobbinerfamlKe Marx; sein Vater war von Hause aus Protestant, trat aber vor der Eheschließung zum Judentum über. D.TT. Durch den Tod Max Schelers, der, kaum von Köln zu neuem Wirken nach Frankfurt a. M. berufen, im Mai vorigen Jahres, erst 54 Jahre alt, großen Arbeitsplänen entrissen worden ist, hat das deutsche Geistesleben einen schweren Verlust erlitten. Denn ungewöhnlich stark waren die geistigen Energien, die von dieser eigenartigen Persönlichkeit ausstrahlten. Scheler war Philosoph, aber kein weltfremder Grübler, dem Leben zugewandt nach Neigung wie nach Fähigkeiten. Die Tatsache, daß er in Köln als ordentlicher Professor der Philosophie zugleich Direktor des Instituts für Sozial Wissenschaften wurde, weist schon darauf hin, wie eng seine Fühlung mit den unsrer Zeit eigentümlichen und sie bedrängenden Lebensproblemen war. In dieser Personalunion erhielt dann aber die Bedeutung der Philosophie wie der Sozialwissenschaften eine Ausdehnung, die bei weitem die üblichen Begriffe übersteigt. Was auch immer aus Leben, Wissenschaften und allgemeiner Kultur „die Stellung des Menschen im Kosmos" — so lautet der Titel der letzten Schrift, die Scheler noch herausgab — und das Wesen des Menschen zu erleuchten geeignet ist, wird mit kraftvoller Auffassungsgabe ergriffen und in immer neuer Verarbeitung und immer wachsendem Umfang seiner Philosophie einverleibt. Bei allem aber ist der Mittelpunkt, wie Scheler selbst bekannte, der Mensch, in welchem, als einem Mikrokosmos, alle Stufen der Natur und des Geistes sich vereinigen. Doch nicht als ein der Vergänglichkeit, dem Strome des Geschehens ver- 602