Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Der "Diener des Ewigen"
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 581 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895475-2895482-2899409--03282-2899505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der „Diener des Ewigen" (Der ,,Gottesknecht,,) Von Joseph Norden Wer ist der „Diener des Ewigen"1), wer ist der „Gottesknecht", den das Buch Jesaja in den Kapiteln 4i bis 53 zu schildern nicht müde wird, den es schildert in seiner Erniedrigung und in seiner Erhöhung, in seiner Schmach und in seinem Glanz? Seit vielen hundert Jahren wogt der Streit darüber hin und her und will bis auf den heutigen Tag nicht zur Ruhe kommen. Es wird sich nun empfehlen, zunächst einmal diejenigen Bibelstellen zu betrachten, die sich nicht in den oben genannten Kapiteln des Jesajabuches finden und die ebenfalls vom „Diener des Ewigen" reden. Nebenbei sei bemerkt, daß diese Bezeichnung selbstverständlich stets eine ehrenvolle ist, daß sie einen Ruhmestitel bedeutet für den, der so benannt wird. Daher sollte die Übersetzung des hebräischen „Ebed" mit „Knecht" überall da vermieden werden, wo es sich in Verbindung mit dem Gottesnamen findet. Die gegebene Übertragung des hebräischen Wortes ist hier „D i e n e r", wie wir ja auch von Gottes-dienst sprechen als einem Ausdruck unserer freiwilligen und freu- J) Den vierbuchstabigen hebräischen Gottesnamen JHWH gebe ich durch das deutsche „der Ewige" wieder. Jahweh zu schreiben — abgesehen davon, daß diese Aussprache zum mindesten nicht einwandfrei feststeht —, widerspricht gar zu sehr der jüdischen Überlieferung, de in tiefer Ehrfurcht vor der Erhabenheit Gottes sich scheut, den Eigennamen Gottes auszusprechen. Den Gottesnamen mit „ha-schöm" („der Name") zu umschreiben, wie es in jüdisch-orthodoxen Kreisen üblich ist, klingt unschön. Die Umschreibung mit dem einfachen „Ich", „Er" usw. nach dem Vorbild Bubers und Franz Rosenzweigs in ihrer neuen Thoraübertragung (z. B. „ein Bote von Ihm") erscheint mir zu farblos. Die Bezeichnung Gottes jedoch als „der Ewige" ist eine sinngemäße Wiedergbe dessen, was der Jude bei Nennung und Anrufung des göttlichen Namens empfindet. Und mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir damit auch in sprachlicher Beziehung der Bedeutung des hebräischen Wortes gerecht. Siehe auch Samuel ben Meir zu a.B.M.3, ir>. 581