Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 578 (sequence 12)
- Language
- German
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Fritz FriecUaender schaft mit Ludwig August Frankl, jenem Dichter und Kritiker, der sich ebenfalls mit Nachdruck für Hebbel eingesetzt hat Frankl, zuerst als Sänger des revolutionären Wien hervorgetreten und sodann in ausgedehnter Weise literarisch tätig, hat späterhin in dem Schriftchen „Zur Biographie Friedrich Hebbels" seine Beziehungen zu dem Freunde dargestellt und vor allem dessen bedeutsame gegen Grillparzer gerichtete Äußerungen überliefert Jedoch keiner seiner Freunde, die nichtjüdischen miteingerechnet, hat so tief in des Dichters Leben eingegriffen und hat seinerseits so sehr unter seiner Einwirkung gestanden wie Emil Kuh. Er ist der eigentliche Jünger seines Herrn und Meisters; aber es wäre irreführend, etwa an Eckermann zu denken, denn Kuh, der, um es gleich zu sagen, eines der begabtesten literarisch-kritischen Talente der deutschen Literatur war, überragt an innerer Spannweite und geistiger Tiefe den verdienstvollen Mitarbeiter Goethes bei weitem Im Frühjahr 1849 lernte Hebbel durch die Vermittlung eines Freundes den hochbegabten Jüngling kennen. Er stammte aus einer wohlangesehenen jüdischen Familie und hatte sich, der herrschenden Gewohnheit entsprechend, in der kaufmännischen Lehre versucht, um sich alsbald, durch philosophische und historische Studien gründlich geschult, ausschließlich der literarischen Laufbahn zuzuwenden. Hebbels leidenschaftlicher Hang, auf andere Menschen bildend einzuwirken, fand bei der Erziehung dieses Schülers ein günstiges Feld: tiefes Wissen und künstlerisches Fühlen mit ergebener Treue und verständnisvoller Verehrung gepaart Überreichlich spendete ihm Hebbel aus dem Füllhorn seines Geistes, aber es war doch wesentlich, daß der Same, den er streute, auf fruchtbaren Boden fiel. Der Umgang mit Kuh wurde für den Dichter geradezu unentbehrlich; als gern gesehener Hausfreund und häufiger Reisebegleiter1) blieb ihm der jüngere Genosse verbunden: nicht bloß künstlerische Probleme, sondern auch persönliche Umstände vertraute er ihm an. Ihn allein zeichnete er durch eine besondere Vorlesung der „Nibelungen" aus; und so mitschwingend war die Empfindung des Jüngers, daß er, als der Meister ihm sein Epos „Mutter und Kind" vortrug, seine Rührung nicht verbergen konnte. Aber auch als praktischer Ratgeber bewährte sich der Freund: so erhielt das letztgenannte Werk, auf sein Betreiben eingesandt, den Preis der Tiedge-Stiftung. Hebbel ließ den feinsinnigen Kenner seiner Muse unmittelbar x) Im September i858 reiste er z. B. von Kuh begleitet nach Krakau, um für seinen „Demetrius" Vorstudien zu machen. 578