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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 574

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
Date
1929-02-01
Page
574 (sequence 8)
Language
German
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Fritz Friedlaender noch, ungefestigten Geist des genialen Freundes nachhaltigen Einfluß; er bestärkte ihn in seinem Interesse für die Probleme der Sozialethik und Sozialreform, auf seinen Rat hin fügte Hebbel seinem bürgerlichen Trauerspiel „Maria Magdalene", das damals künstlerische Gestalt gewann, jenes merkwürdige Vorwort hinzu, das auf das verborgene soziale Problem besonders hinwies. Obwohl die Freude an der metaphysischen Spekulation Bamberg zu der mächtigen Intelligenz Hebbels hinzog, so lernte er dennoch, als er in die schweren persönlichen Lebenskonflikte Einblick erhielt, den menschlichen Charakter des Vereinsamten lieben; er sorgte unermüdlich für die Ausbreitung seines Ruhms, indem er ihn zu Paris mit Arnold Rüge und mit Heine bekannt machte und die Teilnahme des letzteren für Hebbel mit einem derartigen Eifer wachzuhalten suchte, daß der gereizte Heine ein wenig über die Bemühungen des „großen Hebbelisten" spottete. Hebbel wollte sich nun seinerseits dadurch dankbar erweisen, daß er, freilich vergeblich, eine ästhetisch-theoretische Untersuchung Bambergs über den „Geist der Musik" Campe zum Verlage antrug. Dagegen erschien i846 bei Campe eine Broschüre Bambergs „Über den Einfluß der Weltzustände auf die Richtungen der Kunst und über die Werke Fr. Hebbels", die, so wenig sie in analytisch-kritischer Hinsicht befriedigt, immerhin das soziale Element der Hebbelschen Poesie zum ersten Male unterstreicht Durch Bambergs Persönlichkeit erhielt das bis dahin schwankende Urteil Hebbels über Juden und Judentum einen positiven Klang; die erste tatsächliche Beziehung, die er zu einem Juden gewann, genügte, um den Dunst der Vorurteile und Verdächtigungen aufzuhellen. Die lebenswahre Zeichnung jüdischen Wesens, die Hebbel gegeben hatte, erregte ohnehin die Teilnahme der jüdischen Kreise; aus diesem Grunde stattete der dänische Poet und Publizist Meier Aaron Goldschmidl, der Verfasser des Dramas „Judas Maccabäus", dem Dichter der „Judith" in Paris einen Besuch ab. Als Hebbel sich von Paris aus nach Italien begab, leistete ihm Bamberg bei der Abreise hilfreiche Hand; er blieb infolge seines zuverlässigen Wesens weiterhin in allen wesentlichen Dingen der Vertraute des Dichters. Wie hoch der moralisch strenge Hebbel den sittlichen Wert des Freundes einschätzte, geht daraus hervor, daß er ihm den qualvollsten Konflikt seines Lebens, den Bruch mit Elise Lensing, rückhaltlos beichtete; jedoch auch über die bedeutsamen Vorfälle in seiner künstlerischen Entwicklung erhielt der Freund Nachricht: auf seinen Rat hin wurde das „Trauerspiel in Sizilien" in treffender Weise späterhin als Tragikomödie bezeichnet In der Wiener Revo- 574

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