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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 573

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
Date
1929-02-01
Page
573 (sequence 7)
Language
German
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Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert Hebbel trug Sorge, jenen Aufsatz, in dem er seine Meinung über den dichterischen Wert des Freundes auf eine endgültige Formel brachte, in die Hände des Gefeierten gelangen zu lassen, wobei er ihn seiner innigsten Teilnahme versicherte; ja, es klingt fast wie ein Geständnis schamhafter Liebe, wenn seine spröde und zurückhaltende Natur sich also vernehmen läßt: „... es ist nicht tneinc Art, viel Worte zu machen, aber er hat in Deutschland niemand, der sich lebhafter für ihn interessiert wie ich ..." Die Verbindung zwischen den beiden schöpferischen Geistern wurde von einem Manne in die Wege geleitet, der nach Hebbels eigener Aussage während des problematischen Pariser Aufenthalts seinen eigentlichen Umgang bildete und der dem weltscheuen, in den kleinen täglichen Erfordernissen rührend unbeholfenen Dichter treulich beistand: Felix Bamberg. Bamberg war als Sohn unbemittelter jüdischer Eltern im Posenschen Gebiete aufgewachsen; wie die Mehrzahl der zeitgenössischen Jugend geriet der arme jüdische Student, der sich hart durchs Leben schlagen mußte, in die Machtsphäre der Hegeischen Metaphysik; mit eisernem Fleiße eignete er sich die Beherrschung der französischen Sprache und Verhältnisse an, so daß er (Heine erwog eine Zeitlang den gleichen Plan) die diplomatische Karriere ergreifen und in unentwegt deutscher Gesinnung dem Vaterland sich nützlich erweisen konnte. Er besaß ferner einen sicheren Geschmack in künstlerischen Fragen sowie einen für alles wertvolle Neue lebhaft aufgeschlossenen Sinn; diese Eigenschaften, jedoch vor allem sein hilfsbereiter Charakter, gewannen ihm, als er in Paris Hebbel kennen lernte, die volle Zuneigung des anfänglich mißtrauischen Dichters. Hebbel gab, um den neuen Freund auf Herz und Nieren zu prüfen, ihm seine „Judith" zu lesen; und die verständnisvolle Anteilnahme, die sein Werk wie überhaupt sein Schaffen fand, befriedigte ihn derart, daß der Verkehr mit dem jüdischen Freunde, der nicht nur für alle seine schöpferischen Regungen, sondern auch für alle seine bitteren menschlichen Nöte das zarteste Mitempfinden hegte, ihm zum unentbehrlichen Bedürfnis wurde. Hebbel fand bei Bamberg jene Eigenschaften wieder, die in seiner eigenen Persönlichkeit stark ausgeprägt waren: die klare, nüchterne Verstandesschärfe, die gründliche philosophische Bildung, mit der Neigung zu einer geistreichen, dialektisch gefärbten Unterhaltung verknüpft, nicht zuletzt der aus eigenem Erlebnis gespeiste Instinkt für die heraufdämmernden sozialen Probleme der weltwirtschaftlichen Ära. Bamberg hatte auf Grund seiner breiteren Welterfahrung auf den 573 39*

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