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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 569

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
Date
1929-02-01
Page
569 (sequence 3)
Language
German
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Jüdisch« Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert in der Heimat zu schmälern suchten, Abbruch tun. Diese Absicht sprach er in einem Briefe vom 19. Dezember i832 aus, in dem er den Freund (nicht vergeblich) zur Mitarbeit an der bedeutsamen Zeitschrift „Europe litteraire" aufforderte; er teilt ihm hierbei die Abfassung seiner polemischen Schrift über die deutsche Literatur mit, und er sucht ihn zu einer ähnlich geschriebenen kritischen Auseinandersetzung mit der ihm verhaßten reaktionären Geistesrichtung in München zu ermuntern; im stolzen Gefühle ihrer literarischen Waffenbrüderschaft schließt er den Brief mit der Bemerkung: die neudeutsche Literatur, das sind wir und unsere Feinde! Es ist nun auffällig, daß Heine bei seiner dichterischen Wertung des Freundes vor allem den Dramatiker feiert, während das moderne Kunsturteil weit mehr auf die Prosawerke, auf seine großen Romane als auf seine Dramen einen nachdrücklichen Akzent legt, weil nämlich jenen dichterisch schönen Dingen der eigentlich dramatische Impuls fehlt Die Vermutung liegt nahe, daß Heine, der sich von Paris aus nur schwierig und unvollständig über den literarischen Fortschritt der Heimat unterrichten konnte, die spätere dichterische Entwicklung Immermanns nicht genau genug übersah, um bei der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit die geplante Darstellung zu unternehmen. Die konsequente Fortführung der literarhistorischen Schilderung, wie er sie in der „Romantischen Schule" gab, hätte von selbst zu der Analyse Immermanns und seiner eigenen Person hinführen müssen; an ihnen beiden wäre die Entwicklung zu verdeutlichen gewesen, in der die realistische Literatur der neueren Zeit sich endgültig von dem Geiste der Romantik abkehrte. Den leitenden Gedanken, unter den er die Beurteilung Immermanns rücken wollte, hat er viel später in der französischen Vorrede zu dem Buche „De rAllemagne" wenigstens angedeutet; dort feiert er Kleist, Immermann und Grabbe als die mächtigsten dramatischen Begabungen der damaligen deutschen Epoche; obwohl ihn das Geheimnis der dramatischen Kraft an jenen drei Männern außerordentlich fesselte, ist. dennoch infolge seiner unruhigen und drangvollen Existenz weder eine Charakteristik Immermanns noch die geplante Biographie Grabbes zustande gekommen. Als dann, im Jahre i84o Immermann in der Fülle des Schaffens hin weggerafft wurde, da erwog der tief erschütterte Freund noch einmal den Gedanken, dem Frühverstorbenen ein literarisches Denkmal in einem Buche zu setzen, das zugleich eine Chronik ihres gemeinsamen Strebens und VoIIbringen3 enthalten sollte. Leider ist jener schöne Plan nicht zur Ausführung gelangt; trotzdem maß Heine seinem Verhältnis zu Immermann eine literarhistorisch er- 569

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