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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 568

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
Date
1929-02-01
Page
568 (sequence 2)
Language
German
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Fritz Friedlaender Der gleiche harmonische Verlauf blieb einer anderen tiefwurzelnden Freundschaft, die Immermann mit dem Enkel Moses Mendelssohns schloß, versagt Durch die Vermittelung Schadows machte Immermann Ende November i83i die Bekanntschaft Felix v. M endelssohn-Bartholdys, der ihn alsbald durch den liebenswürdigen Zauber seines Wesens gefangennahm. Der schwerblütige Dichter fühlte sich von der entzückenden Art des jungen Meisters derart angezogen, daß er ihm schließlich das brüderliche Du anbot; zwar kam der Plan einer gemeinsamen Oper nicht zur Durchführung, jedoch eine reiche und köstliche Zeit gemeinsamen Wirkens brach an, als der Dichter den eng befreundeten Musiker als Bundesgenossen für sein großes dramaturgisches Reformwerk an der Düsseldorfer Bühne gewann. Aber dieser unbestreitbare Erfolg sollte ihn zugleich um den Besitz jener Freundschaft bringen! Immermann hatte an jenes großgedachte Unternehmen, durch das er die dramaturgischen Bemühungen Lessings und Goethes wieder aufnahm, das gesamte Kapital seiner künstlerischen und menschlichen Kraft gewendet, denn er wollte über die Reform der Bühne zum Drama gelangen; um so peinlicher berührte es ihn daher, daß Felix Mendelssohn, auf dessen Ansehen und Talente der ideeHe Kredit der Unternehmung zum großen Teil beruhte, jene hochgestimmte Erwartung nicht teilte, ja sogar, als die unter solchen Umstanden unvermeidlichen Schwierigkeiten und Meinungsdifferenzen nicht ausblieben, er die musikalische Leitung des Düsseldorfer Theaters kurzerhand niederlegte. Diesen Schritt hat ihm Immermann nie verziehen, ja er gab ihm an dem Niedergange des gemeinsamen Werkes derart Schuld, daß es darüber zu einem Bruche zwischen beiden Männern kam, den auch eine spätere Wiederannäherung nicht heilen konnte; vielleicht beging der edle Dichter hierin ein Unrecht, denn sein Unternehmen trug ohnehin den Keim des Verfalls in sich, und Felix Mendelssohn gehorchte nur der inneren Stimme seines Genius, wenn er sich von ihm lossagte. Dagegen blieb die alte persönliche und literarische Gemeinschaft zwischen Immermann und Heine, trotzdem der letztere nach Paris verschlagen war, weiterhin bestehen.x) Als Heine dort seine große kulturpolitische Mission eines Ausgleichs des französischen und des deutschen Geistes zu unternehmen begann, wollte er den Franzosen auch die Persönlichkeit Immermanns nahebringen und dadurch den kritischen Widersachern, die den Ruhm des Dichters x) Wenn der Immermann-Biograph Rieh. Boxberger das Gegenteil behauptet, dann irrt er genau so wie in der Annahme, daß Heine Immermann 182 3 zuerst in Münster kennen gelernt habe. 568

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