Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 567 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Freunde deutscher Diditer im neunzehnten Jahrhundert Von Fritz Friedlaender (Schluß.) Als Heine im Jahre i83i nach Paris übersiedelte, beklagte Immermann wiederholt die Abwesenheit des Freundes vom Vaterlande; sollte er doch bereits zwei Jahre später, diesmal nicht durch örtliche Trennung, sondern durch den alles trennenden Tod einen seiner nächsten Freunde verlieren: den Dichter Michael Beer. Beer, der Bruder des berühmten Komponisten Meyerbeer, stammte aus einem reichen jüdischen Hause und konnte daher ausschließlich seinen schöngeistigen Neigungen leben, wobei er sein wenig ergiebiges Talent als ein Schüler des großen klassischen Dramas erprobte; in München hatte er zu dem Freundeskreise Heines gehört, ohne jedoch in dem ungleich genialeren Kunstgenossen eine hohe Meinung von seinem dichterischen Vermögen zu erwecken. Nachdem er im Herbst 1827 bei einem Besuche in Düsseldorf Immermann kennen gelernt hatte, schloß er sich dem überlegenen Manne in inniger Freundschaft an'; in den folgenden Jahren weilte er mehrere Wochen hindurch als Gast in seinem Hause; er suchte sich seinerseits erkenntlich zu zeigen, sei es, daß er Immermanns „Friedrich II." auf die Münchener Bühne bringen wollte, sei es, daß er den Freund zu einer Reise nach Italien großzügig einlud. Immermann konnte seine menschlichen Vorzüge nicht schöner ehren, als dadurch, daß er ihm sein „Tulifäntchen" widmete; um jener menschlichen Vorzüge willen war er in seiner Rezension der Dichtungen Beers geneigt, dessen poetisches Verdienst zu überschätzen; tief ergriffen vernahm er die Nachricht von seinem jähen Ableben, und mit wehmütigem Gefühl stand er später an dem Grab des Frühentschlafenen. 567