Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Blutsbindung und Staatsbewußtsein im Werden des römischen Volkes
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 562 (sequence 7)
- Language
- German
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Hermann Funke nach. Gewisse Vereinbarungen wurden im Laufe der Zeit getroffen, z. B. diese: Wenn ein Konsul vom Volk zur Verantwortung gezogen werden sollte, wollte man im Interesse einer geordneten Regierung warten, bis seine Amtszeit abgelaufen sei. In beiden Parteien gab es immer Männer, die über dem Trennenden das Gemeinsame sahen, und darum führen die Kämpfe am Ende nicht vom Staat fort, sondern zumStaatund Volkhin. Doch das Verhältnis zwischen Plebejern und Patriziern war eigentlich immer noch, um mit Ranke zu reden, ein völkerrechtliches. Sie hatten nicht einmal ein gemeinsames Recht. Ein kodifiziertes, für Patrizier und Plebejer geltendes Staats- und Privatrecht war es darum, was die Plebejer jetzt vor allem erstrebten. Eine Zehnerkommission aus Angehörigen beider Stände sollte zur Abfassung der Gesetze gewählt werden. (Der Überlieferung nach ist dieser Antrag zum erstenmal 461 von den Volkstribunen eingebracht worden.) Aber, wie immer, wenn die Tribunen eine wichtige Neuerung verlangen, weigert der Senat sich entschieden, einen bewilligenden Beschluß zu fassen. Es wird als Anmaßung empfunden, daß die Plebejer, die bisher nicht einmal sich selbst Gesetze geben durften, mitbeschließen wollen über das neue Recht, das auch für Patrizier gelten soll. Der Kampf entbrennt mit der gleichen Heftigkeit wie zur Zeit der Auswanderung auf den Heiligen Berg. Es wird sogar von einem Anschlag auf das Leben der Konsuln berichtet. Angesichts der inneren Wirren in Rom unternehmen die Sabiner unter Herdonius einen unerwarteten Angriff (460). Die äußere Gefahr benutzt die Plebs, wie so oft, als Druckmittel: sie verweigert die Heeresfolge, wenn ihr nicht die Gesetzgebung nach beendetem Feldzug zugesagt wird. Eis sind immer wieder dieselben beiden Tendenzen, die im Senat miteinander kämpfen: Die Vertreter der einen (ein Claudier ist wieder ihr Wortführer) wollen die Staatsmacht lieber beschränkt sehen als sie mit den Plebejern teilen, sie erwägen, den Kampf nur mit Patriziertruppen zu führen; die andere Richtung betont die Sinnlosigkeit, die darin liege, sich so viele Bürger entfremden zu wollen, die kampfesfreudig genug sein würden, wenn man ihnen nur entgegenkäme. Der Konsul Valerius verbürgt sich schließlich den Volkstribunen für die Bewilligung ihrer Forderung. Aber er fällt im Kampf, und nun gewinnt die plebejerfeindüche Partei die Oberhand. Es dauert volle 6 Jahre, bis der Senat die Gesetzgebung genehmigt Jahr für Jahr erneuerten die Tribunen ihren 562