Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Blutsbindung und Staatsbewußtsein im Werden des römischen Volkes
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 557 (sequence 2)
- Language
- German
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Hermann Funke: Blutsbindung und Staatsbewußtsein im Werden des römischen Volkes Volksgenossen und nur ihnen allein ihre geschichtlichen Leistungen zu verdanken. Darum liege alles Heil darin, daß die Angehörigen der nordischen Rasse die herrschende Schicht in einem Volk seien und in möglichst zahlreichen Erbstämmen ihre Rassenreinheit bewahren. Denn sobald sie sich mit den andersrassigen, d. h. weniger wertvollen Elementen vermischen und so ihre Eigenart verlieren, beginne der Niedergang eines Volkes, wie überhaupt Blutsmischung immer nur Wirrnis und Zersetzung bringen könne. Bei dieser Rassenlehre mag man aus den verschiedensten Gründen ein Unbehagen fühlen, aber — das darf nicht vergessen werden — sie ist eine geschichtliche Theorie, und will man sie prüfen, so muß man eben die Geschichte als Zeugen anrufen. Diese Prüfung aber ist nötig, wie sie immer nötig ist, wenn die Gefahr droht, daß die Geschichte mißbraucht wird, um Irrtümer^ an die zu glauben angenehm ist, zu ewigen Gesetzen zu erheben; denn dann wandelt sich Segen und Licht der Geschichtsbetrachtung in Fluch und Irrtum. Es ist nötig, die Geschichte selbst als Zeugen anzurufen, sagten wir. Das soll im folgenden geschehen. Am Beispiel der Römer, des Volkes mit der bedeutendsten Geschichte, von der wir wissen, soll versucht werden, zu erkennen, ob es wirklich die Rasse ist, die Geschichte macht, oder ob nicht vielleicht, wenn man in den geschichtlichen Entwicklungen nur die Einzelrasse betrachtet, das Auge abgelenkt wird von anderem, das viel ausschlaggebender war im Schicksal. der Völker und Kulturen. Nicht auf die Jahrhunderte der Größe Roms wollen wir zunächst unseren Blick richten, sondern weit zurück in die Zeiten, auf die, getrübt immer noch vom Nebel der Sage, das erste Licht der Geschichte fällt, als Rom, umgeben von den verschiedensten Volksstämmen, Müha genug hatte, sich gegen die Angriffe seiner nächsten Nachbarn nur zu behaupten. Aber das sind zugleich auch die Zeiten, in denen die Voraussetzungen zur künftigen Größe geschaffen wurden, als aus Einwohnern der Stadt Rom das römische Volk zu werden begann. Diese älteste Geschichte Romsx) ist erfüllt von den Kämpfen zwischen Patriziern und Plebejern, ja, eben diese Gegensätze sind eigentlich ihr Hauptinhalt. Was ist der Unterschied zwischen beiden Ständen? Die Patrizier waren im wesentlichen die Ureinwohner Roms, die Plebejer die zugezogenen Fremden, a) Bekanntlich wird die römische Überlieferung erst nach der Vertreibung des letzten Königs, also um die Wende vom 6. zum 5. vorchristlichen Jahrhundert, einigermaßen sicher, so daß man von einer „Geschichte" reden kann. 557 38*