Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Blutsbindung und Staatsbewußtsein im Werden des römischen Volkes
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 556 (sequence 1)
- Language
- German
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Blutsbindung und Staatsbewußtsein im Werden des römischen Volkes Von Hermann Funke» Generationen, die wie die unselige Zeugen geschichtlicher Katastrophen und Umwälzungen gewesen sind, die das Gefühl haben, an einer Zeitenwende zu stehen, spüren ganz besonders das Bedürfnis und die Neigung, historisch zu denken. In dem Wunsch, den Zügel, der die Ereignisse lenkt, in Zukunft selbst in der Hand zu behalten, betrachtet man die Vergangenheit, um in ihr möglichst wenig Zufälliges und möglichst viel Notwendigkeit zu finden; man sucht Gesetze des historischen Geschehens. Und gewiß ist es gut und fruchtbar, wenn der Blick für geschichtliche Abhängigkeiten geschärft wird, wenn das Bemühen vorhanden ist, zu erkennen, was in den großen Entwicklungen jeweils das Ausschlaggebende war. Aber immer wenn man Geschichte treibt, um für die Gegenwart daraus zu lernen, besteht die Gefahr, daß man sich selbst betrügt, daß der Geschichte Gewalt angetan wird, um aus ihr möglichst gebrauchsfertige und darum möglichst einfache und einleuchtende Richtlinien ableiten zu können. Die Geschichte soll ihren Schüler ein Universalheilmittel lehren, das ihm angenehm ist zu hören, leicht für ihn anzuwenden und: das aus allen Nöten der Gegenwart hilft. So ist auch an der rassenkundlichen Geschichtsbetrachtung das Verlockende, daß sie durch die geschichtliche Wirklichkeit, die immer durch die Vielgestaltigkeit der Ereignisse und Zusammenhänge verwirrend ist, einen klaren und einfachen Weg zeigt, auf dem man alles zum Besten wenden kann: Nur die Rasse sei es, die in der Geschichte den Ausschlag gebe. Die weitaus begabteste von allen sei nach dem Ausweis ihrer Geschichte die nordische Rasse, und alle Völker mit irgendwie nennenswertem nordischen Einschlag haben eben ihren nordischen 556