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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 545

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Rassentheorie und Geschichtsdeutung
Date
1929-02-01
Page
545 (sequence 4)
Language
German
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Rassentheorie und Geschichtsdeutung haft und kausal — deutet. Hier liegt alle Problematik der Geschichte —hier liegt die Krisis des Historismus, von der noch zu reden sein wird. 2. Das elementare historische Bedürfnis erhebt sich nur aus der Tiefe metaphysischer und religiöser Not. Diese ist es, die uns nach einer Orts- und Sinnbeslimmung im Strom der Zeit drängen und suchen macht. Wo das historische Bedürfnis anknüpft an politische Interessen, ist es nicht mehr elementarer und ursprünglicher Art. Es ist dialektischen, oft nur rhetorischen Wesens, es schließt seinen Ring nicht in sich selbst, sondern es löst aus dem Strom der geschichtlichen Fülle nur ein beabsichtigtes System heraus. Diejenigen beiden Geschichtswerke deutscher Sprache, die den größten buchhändlerischen Erfolg hatten, sind die deutsche Geschichte von Heinrich von Treitschke und der Untergang des Abendlandes von Oswald Spengler. Aber es sind zwei ganz verschiedene Interessenschichten, die von Treitschke und von Spengler aufgewühlt wurden. Treitschke begegnet dem vorwiegend politisch begründeten historischen Interesse, Spengler hingegen erfüllt das leidenschaftlichere, elementarere historische Bedürfnis, das dem metaphysischen Sinn entspringt und in metaphysischer Deutung mündet. „Gibt es eine Logik der Geschichte? Gibt es jenseits von allem Zufälligen und Unberechenbaren der Einzelereignisse eine sozusagen metaphysische Struktur der historischeu Menschheit, die von den weithin sichtbaren, populären, geistig-politischen Gebilden der Oberfläche wesentlich unabhängig ist? Die diese Wirklichkeit geringeren Ranges vielmehr erst hervorruft?" Das ist die Fragestellung Spenglers. Eine Fragestellung, so vielfältig durchtränkt vom Quell des religiösen Schaubedürfnisses, daß sie ebensogut eine metaphysische wie eine historische Problemgestaltung einleiten könnte. Für den rein fachwissenschaftlich orientierten historischen Sinn ist diese Fragestellung bereits mit so vielen Elementen belastet, die außerhalb der eigentlichen Geschichtsmethodik liegen, daß ein objektives Ergebnis nicht mehr erwartet werden kann. Allein für das „elementare historische Bedürfnis" ist diese Objektivität keineswegs in Frage gestellt, ja ein „objektives" historisches Wellbild •wird von dem „elementaren historischen Bedürfnis" nur dann erwartet, wenn .der Historiker den weckenden und deutenden Blick beständig auf die Totalgestalt der in der Geschichte sich selbst enthüllenden Mensch-» 545

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