Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 540 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob nichts geahnt, sonst hätte er schwerlich die gottlosen Pläne eines Jerobeam durch diese Geschichte unterstützt Auch für Jakob ist der Ort mit traurigen Erinnerungen verknüpft „Und es starb Deborah, die Amme Rebekkas, und wurde unterhalb von Bethel begraben unter der Eiche, und er nannte ihren Namen: Eiche des Weinens." Eine kurze und rührende Nachricht Ob diese Person im Hause Jakobs dieselbe „Amme" ist, die einst mit Rebekka von dem Knecht Abrahams in das Haus Isaaks gebracht worden war oder eine andere, jedenfalls hören wir hier zum ersten Male ihren Namen. Jakob betrauert in ihr die Mutter selbst und sie mag ihm und seinen Kindern eine zweite Mutter gewesen sein. Wir sehen, daß ein Verhältnis wie zwischen Abraham und seinem Knecht und Vertrauten sich in dieser Familie forterbte. Ach, wie viele unscheinbare Menschen gleich dieser Deborah gibt es, deren Name erst bei ihrem Tode genannt wird, aber an Klage und Trauer derer, die ihnen nahestanden, erfährt die Welt, welch ein Leben voll Arbeit und Treue hier sein Ende gefunden hat Ist diese Klage um eine Magd für die Sparsamkeit der Erzählungen im Ausdruck von Empfindungen ungewöhnlich, so soll sie vielleicht eine Andeutung für eine Trauer sein, die für Worte überhaupt zu tief war. Rahe! stirbt, sie die einst die Jugendliebe Jakobs war, um die er zweimal sieben Jahre gedient hatte. Als sie unterwegs einem Knaben das Leben gibt, haucht sie unter Schmerzen das Leben aus. Sterbend nennt sie das Kind Ben-Oni, Schmerzenssohn, Jakob aber wandelt den Namen in Benjamin. Auf das Grab setzt er einen Denkstein. Als er damals Rahel am Brunnen küßte, halte er geweint Warum weinte er? fragt der Midrasch. Weil er prophetisch voraussah, daß sie vor ihm sterben und nicht mit ihm im Grabe vereint sein werde. Das ist der Schatten, der das Glück zweier Menschen, die sich lieben, immer begleitet: zu wissen, daß früher oder später der eine den anderen wird verlassen müssen. Das Grabmal Raheis ist noch heule zu sehen. Es liegt eine halbe S.unde südlich von Bethlehem auf dem zwei Stunden betragenden Wege von Jerusalem, jetzt von einer aus mohammedanischer Zeit stammenden Kuppel überbaut (Kubbet Rahil). Eine schöne poetische Sage erzählt: als Joseph von den Ismaelitern nach Ägypten verschleppt wurde, stahl er sich unterwegs bei Nacht von der Karawane, um auf dem abseits liegenden Grabe der Mutter zu beten. In einer seiner seelenvollsten und ergreifendsten Reden hört der Prophet Jeremia eine Stimme der Klage und des bitterlichen Weinens, es ist Rahel, die um ihre Kinder weint und sich nicht trösten lassen will. Rahel ist die Stammutter 540