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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 537

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1929-02-01
Page
537 (sequence 13)
Language
German
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Der Beter des Erzählers ist «in mehrmals gebrauchter Ausdruck bezeichnend: man habe Dina unrein gemacht Dieses Wort, sagen die gelehrten Ausleger, stamme aus dem Kultusgesetz. wo es eine große Rolle spiele. Aber dann haben sie dies Gesetz durchaus nicht verstanden. In dem Priestergesetz der mittleren Bücher der Thora ist sehr oft davon die Rede, wie man in bezug auf den Kultus unrein oder rein werde. Von grundlegender Bedeutung ist nun die Beobachtung: es kann jemand durch gewisse Zustande, Handlungen oder Dinge (z. B. durch Berührung eines Leichnams) unrein und durch gewisse Handlungen oder Leistungen wieder rein werden, aber nichts kann einen Menschen rein oder unrein machen. Das Gesetz sagt niemals: Der Tote oder dergleichen macht unrein, sondern: wer einen Toten berührt, ist unrein; nicht das Sprengwasser macht rein, sondern man besprenge ihn damit und er ist rein. Der Priester aber kann immer nur für rein oder unrein erklären. Das bedeutet: die Unreinheit ist nicht etwas Dingliches, ein etwa durch Ansteckung entstandener körperlicher Zustand, sondern eine vom Gesetz geordnete Beziehung, etwas rein Gedankliches. Daraus ergibt sich: das Alte Testament kennt durchaus keine Sakramente, keine physisch-magische Wirkung des Äußeren auf das Innere, des Materiellen auf das Geistige und Seelische. Aller Kultus und Ritus ist nicht sakramental sondern symbolisch, Dies oder jenes macht unrein, ist entweder die abkürzende Sprache der späteren Schule oder des sich auf solche Feinheiten nicht einlassenden Volkes und danach unter Umständen auch das Pathos der volkstümlichen und prophetischen Rüge. Demnach kann das Wort der Brüder nicht Priestersprache sein. Vielmehr ist es die entrüstete Sprache der Gesellschaft, die über das Geschehene nicht hinwegkommen kann und in ihrem Urteil unerbittlich ist Sie glaubt eine Tat nicht vergeben zu können, die ihre Ordnungen erschüttert, höchstens daß sie allmählich in Vergessenheit gerät Das Priestergesetz spricht nur von den kultischen Ordnungen. Die Untat seiner Söhne hat Jakob nicht gebilligt und verflucht sie noch auf dem Totenbette: „Simon und Levi sind Brüder! Geräte der Gewalt sind ihre Waffen. In ihren Rat komme nicht meine Seele, nicht eine sich ihrer Gemeinde mein Stolz. Denn im Zorne erschlagen sie Männer, im Mutwillen lähmen sie Stiere. Fluch ihrem Zorne, daß er Macht hat, ihrem Grimme, daß er so hart ist Ich zerteile sie in Jakob, ich zersprenge sie in Israeli" Und da er seinem Lieblingssohn das Feld vermacht, das er einst von Chamoe, dem Vater 537

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