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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 534

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1929-02-01
Page
534 (sequence 10)
Language
German
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B. Jaoob können, und z. B. Richter geradezu ELohim heißen. Immer aber ist das Sehen nur der Beginn geistiger und seelischer Vorgänge, des Eingehens einer Gemeinschaft mit Gott, für deren Anheben Er „in die Erscheinung tritt". Man sieht das Göttliche nicht, bloß um zu wissen, wie es aussieht und es etwa abmalen zu können. Sehen heißt Erleben, also Gott sehen: Gott erleben. Man beachte wohl, daß es N a c h t ist, da Jakob die Begegnung hat Wenn die ganze Welt in Nacht gehüllt und das leibliche Auge blind ist, dann mag die Seele sehend werden für Gott Und Jakob blieb allein. Niemand konnte inniger mit den Seinen verbunden sein. Aber selbst von den liebsten Menschen müssen wir uns zu Zeiten zurückziehen, um uns selbst und damit Gott zu finden. Allein muß man sein, um Gott zu begegnen, also nicht allein zu bleiben. Niemand ist einsam, der scheinbar verlassen auf Gott wartet Denn das Warten ist schon sein Kommen. Welch einen Trost gibt hier die Schrift dem Einsamen! Daß der Mensch aber fürchtet, er müsse sterben, weil er „Gott gesehen" hat, geschieht in seines Nichts durchbohrendem Gefühle, in dem überwältigenden Bewußtsein seiner Unwürdigkeit, vor Gott, dem König aller Könige, dem heiligen, alles durchschauenden Richter zu stehen, vor dem keiner schuldlos und rein ist und wert zu leben. Darum verhüllt selbst ein Mose sein Angesicht vor der Gotteserscheinung und bedecken die Seraphim vor dem Himmelsthrone ihr Antlitz und erschrickt ein Jesaja: „Wehe mir, ich muß vergehen, denn ich bin ein Mann unreiner Lippen und unter einem Volke unreiner Lippen wohne ich, denn den König, den Herrn der Heerscharen, haben meine Augen gesehen!" Jakob hat ein Göttliches in dichtester Nähe erlebt, „von Angesicht zu Angesicht", Brust an Brust den Herzschlag gefühlt, und sein eigenes Herz ist dabei nicht zersprungen. Darum nennt er den Ort Peni-El, Gottes-Angesicht Es ist die Höhe seines Lebens wie einst der Moria („Gott sieht" — „auf dem Berge Gottes wird gesehen") für Abraham Der Erzähler aber schließt: „darum essen die Kinder Israel nicht die Spannader der Hüfte bis auf diesen Tag, denn er hatte die Hüfte Jakobs, die Spannader angerührt". Die Spannader, die weggeworfen wird, ist die Straffung verwerflichen Ehrgeizes, der abgetan werden soll An der Hüfte sollte Jakobs Vordringlichkeit vom Mutterleibe an getroffen werden. Im Laufen nach den Gütern und Ehren der Welt soll er nie der Erste sein. Es ist eine hohe, volkserzieherische Weisheit, beständig daran zu mahnen, wie aus Jakob 534

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