Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 533 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Beter der Engel, nachdem er sich überzeugt hatte, daß Jakob unbesiegbar sei, ihm nicht etwa zum Schluß noch eins versetzen wollen, sondern ihn für Esau zeichnen, aber ihm auch zu verstehen geben, von welcher Art das Wesen sei, mit dem er gekämpft hat Daher die Bitte Jakobs: Bist du also ein Sendling von oben, dann segne mich. Demnach beziehen sich die beiden Berichte aufeinander und jeder ist erst aus dem anderen zu verstehen.1) Daher heißt es an der zweiten Stelle nicht nur: dein Name soll genannt werden, sondern auch zur Bestätigung: und nun nannte er ihn Israel, d. h. redete er ihn zum ersten Male förmlich mit diesem Namen an. Deshalb war der Name bisher (außer in «iner sprichwörtlichen Redensart) noch nicht angewandt worden. Ja gerade in diesem Zukunftswort: „Es wird gesagt werden", liegt die tröstliche Zusage für die gegenwärtige drohende Not Jakob muß doch wohl die Begegnung mit Esau überleben, wenn er später noch etwas zu gewärtigen hat Wir glauben eine gewisse Verwandtschaft dieser Erzählung mit der Akeda, der Prüfung und Bewährung Abrahams, da er seinen Sohn opfern sollte, zu erkennen. Eine Anspielung findet sich auch beim Propheten Hosea. „Und Jakob nannte den Namen des Ortes Peniel, denn ich habe Elohim gesehen von Angesicht zu Angesicht, und meine Seele ward gerettet." Man liest immer wieder, es sei ein Aberglaube im alten Israel gewesen, daß man sterben müsse,' wenn man ein göttliches Wesen gesehen habe, etwa weil die Gottheit, die im Verborgenen bleiben wolle, zürne, sich entdeckt zu sehen, wofür man sich auf zwei weitere Beispiele im Buche der Richter, bei Gideon und Manoah, und auf ein Gotteswort an Mose beruft Das kann schon deswegen nicht richtig sein, weil es an allen Stellen nicht der menschliche Vorwitz ist, der die Begegnung sucht, sondern die Gottheit sich aus freien Stücken zeigt und dies zum Besten der Menschen. Nun ist nichts! gewisser, als daß man Gott selbst nicht „sehen", mit leiblichen Augen wahrnehmen kann, wenn es eben ein Sehen, bloß um zu sehen, sein will. Das ist nicht erst ein Lehrsatz späterer Theologie und Philosophie, sondern die durchgängige Anschauung der ganzen Schrift, und nur scheinbar gibt es widersprechende Aussagen. Sicher können Elohim, Boten Gottes, wahrgenommen werden. Wie denn auch nicht, da doch auch Menschen solche Boten sein J) Diese sprachliche Begründung (denn die Sache ist bereits im Midrasch angedeutet) habe ich schon vor Jahren wiederholentlich gegeben. (Die Thora Moses, Frankfurt 1912/13, S. 63, Quellenscheidung und Exegese im Pentateuch, Leipzig 1916, S. 5g) ohne daß die Kritik für nötig befunden hat, sich damit auseinanderzusetzen. Munter lehrt man weiter das Falsch« — eine in dieser Wissenschaft nicht gerade seltene Erscheinung. 533