Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 532 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob Es dürfte nunmehr Mar sein, wer der „Mann" ist, der in der Nacht mit Jakob ringt Er ist ein Gottesbote, der mit Kampf und Segen die Antwort auf das Gebet bringt Du hast gebetet: Errette mich vom Tode! Wohl, du sollst am Leben bleiben, indem ich dich schwächer mache, nachdem du gezeigt hast, daß du kein Schwächling bist Infolge jener Anschaulichkeit und doch wieder verschleiernden Zartheit, die das Geheimnis des religiösen Genies sind und das ahnungsreiche Halbdunkel erzeugen, wird die Gestalt als ein Mann von Fleisch und Blut und doch wieder als ein geisterhafter mit dem Morgendammer entweichender Fremdling aus einer andern Welt empfunden. Es wäre plump, ihn anzuhalten und ihm seine weiteren Personalien abzufragen. Das hieße, den Schmetterling mit groben Fäusten aufspießen wollen. Solcher Neugier hat der Mann selbst schon gewehrt Denn als umgekehrt Jakob ihn nach seinem Namen fragt, lehnt er überlegen ab. Engel haben im alten Israel keine Persönlichkeit, also auch keinen Namen. Sie sind nichts als der göttliche Auftrag selbst Wenn sie ihn vollzogen haben, dann tauchen sie wieder unter wie der Augenblick in den Strom der Ewigkeit; wie der Talmud dichtet: in den Feuerstrom, aus dem heraus sie Gott geschaffen hat Der Engel ist der gottgesandte, gottdurchdrungene Augenblick. Daß wir im Rechte sind, können wir auch noch durch eine sprachliche Beobachtung erhärten, die freilich für die gelehrte Theorie der Quellenscheidung, d. h. der Zerreißung der Texte unbequem sein wird. Die Erteilung des Namens Israel kommt einige Kapitel weiter noch einmal vor, als Gott selbst sich dem Jakob in Bethel offenbart Also natürlich Wiederholung aus einer anderen Quelle. Aber man hat einfach nicht Hebräisch verstanden, indem man an unserer Stelle übersetzte: „Nicht Jakob wird dein Name ferner genannt („gesagt") werden."' Nun wird aber im Hebräischen niemals gesagt: eine Sache, ein Wort, einen Namen sagen (amar), obgleich das Zeitwort unzählige Male vorkommt Die richtige Übersetzung ist nach einer gar nicht seltenen Satzfügung: Nicht Jakob — so wird gesagt werden — soll dein Name ferner sein, sondern usw. Es .ist erst die Ankündigung und Verheißung des neuen Namens. Nur dazu ist der Mann berufen, die maßgebende Ernennung selbst wird Gott vollziehen. Also ist es ein Bote, den Gott aus seinem himmlischen Rate entsandt hat, daß er Jakob prüfe, ob er im Kampfe bestehen wird. Den Namen kündigt er ihm an, sei es bereits von Gott selbst ermächtigt, sei es aus eigenem Antriebe, hingerissen von Jakobs Haltung und dessen gewiß, daß sein Herr ihn nicht Lügen strafen wird. Mit der Berührung der Hüfte aber hatte 532