Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 526 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob Rindern, Eseln voraus, im ganzen 55o Tiere — ein fürstliches Geschenk! Den Leuten aber gibt er Anweisung, sie sollten nicht alle auf einmal bei Esau ankommen, sondern in weiten Zwischenräumen, und jedesmal, wenn Esau frage, wo sie mit den Herden hinwollten, sollten sie antworten: es ist ein Geschenk für meinen Herrn, für Esau, gesandt von deinem Knecht, von Jakob — er selbst kommt nach. Das ist sehr klug auf Eisaus Art berechnet Seine Augen sollen immer größer werden, jede neue Sendung wird den Zornmütigen um einige Grade milder stimmen, bis der arme Sünder selbst erscheinen darf. Ja, sie haben recht: Jakob ist ganz der spätere „Jude", wenn er mit „Esau" zu tun hatte. Auf dreierlei Weise hat er sich für das Zusammentreffen gerüstet. Für den äußersten Fall macht er sich auf Krieg gefaßt Ihm ist bange genug davor. Er liebt das Leben, nicht bloß das eigene, sondern auch das der anderen. Er fürchtet sich ebensosehr davor zu töten wie getötet zu werden. Kann der Wüterich mit Geld und Geldeswert abgefunden werden, so soll es darauf nicht ankommen, so sauer sich Jakob seinen Besitz erworben hat. Aber seine wahre Waffe ist das Gebet. Will man seine Seele erkennen, so muß man ihn nicht nach seinem Gehaben vor den Menschen, gegenüber einer feindlichen Welt, beurteilen, sondern hören, wie er betet, wie er mit Gott und um Gott ringt und dabei sich selber findet und als ein anderer hervorgeht, wie aus Jakob Israel wird. „Gott meines Vaters Abraham und meines Vaters Isaak, DU, der du zu mir sprachst ...!" Schon dieser den Namen Gottes bei der Anrufung erst nachsetzende Beginn ist ohne Beispiel. Die Erzvätergeschichte soll den Nachkommen zeigen, daß ER der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs gewesen ist, damit sie ihn als diesen anrufen können. Der Jude ist ein Enkel. Die Religion Israels ist zu allererst eine geschichtliche Religion, d. h. eine Offenbarung Gottes in der eigenen Volksgeschichte, und die Vergangenheit ist Gewähr für göttliche Führung in Gegenwart und Zukunft. Gott muß sich treu bleiben, seine Verheißungen können nicht trügen, ein Faden, den ER gesponnen hat, kann nicht abreißen, der Sinn der Geschichte kann nicht verloren gehen. Aber noch fehlt zum vollgültigen Anfang in dieser Stunde das dritte Glied. Jetzt soll sich entscheiden, ob ER auch der Gott Jakobs sein wolle oder ihn fallen lassen werde. Es ist wahr, Gott hat verheißen, ihm wohlzutun, aber ist er nicht schon nach den bisherigen Gnadenerweisungen quitt mit ihm? Also wagt Jakob erst nachdem er Gott als den Gott der Väter bezeichnet 526