Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Jüdische Armengesetze der neutestamentlichen Zeit
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 511 (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdische Annengesetze der neutestamentlichen Zeit Gerade die 7-Zahl dieser Armenpfleger spricht für ihre Geschichtlichkeit. Auch diese Einrichtlang war zweifellos durch die entsprechende der jüdischen Gemeinde angeregt, beziehungsweise halte an ihr ihren Vorgänger. Von einer wöchentlichen Sammlung redet Paulus 1. Kor. iö, 2, da er den Korinihern empfiehlt, für die Sammlung im Interesse der armen christlichen Gemeinde in Jerusalem „am ersten Tage der Woche"-, d. h. am Sonntag, zurückzulegen, was jeder entbehren könne. Sowohl tägliche Speisung als auch wöchentliche Sammlungen spielen in der Armenfürsorge heutzutage, vor allem in der kirchlichen Armenpflege, eine wichtige Rolle. 7. Das Kapitel „Armenpfleger" bedarf noch einer besonderen Behandlung. Wie es in der obigen Stelle der Apostelgeschichte ausdrücklich betont wird, daß nur „gut beleumundete Leute, voll heiligen Geistes und Weisheit" dazu geeignet sind, so wählte auch das Judentum schon in neulestamentlicher Zeit nur zuverlässige Leute dazu aus und tat alles, um die Armenpfleger vor Verdächtigungen zu bewahren. So heißt es Tosephta Pea IV, i5: „Die Armenpfleger (Einsammler) sind (beim Einsammeln der Gaben) nicht berechtigt, sich von einander zu trennen (, sondern es müssen immer 2 zusammen gehen). — Aber es darf ihm (d. h. einem Einsammler) sein Genosse, der ihm (Geld) schuldig ist, Geld geben (in die Sammelbüchse, das der Einsammler dann zu Hause für sich herausnehmen darf). — Und sogar, hal er Geld auf dem Wege gefunden (, wobei nach jüdischem Fundrecht der Fund ihm gebort), so ist er nicht berechtigt, es (gleich an sich) zu nehmen (, er muß es vielmehr zunächst in die Sammelbüchse stekken und darf es erst zu Hause herausnehmen)." Von der großen Freundlichkeit und reichen Fürsorge vorbildlicher Armenpfleger für die Armen erzählt die rabbinische Literatur mancherlei Geschichten. Eine davon laulet im babylonischen Talmud, Traktat Babha bathra na (vgl. Fiebig, Jesu Bergpredigt, Rabbinische Texte zu ihrem Verständnis, 1924, S. 76): „Es ist überliefert worden: Man sagte über Benjamin, den Gerechten, der gesetzt war (zurAufsicht) über den Almosenkorb (quppa schel sedhaqa): Einmal kam eine Frau vor ihn in den Jahren der Dürre. Sie sagte zu ihm: Rabbi, gib mir Nahrung. Er sagte zu ihr: Beim (Tempel-) DienstI (ich schwöre), daß in dem Almosenkorb überhaupt nichts vorhanden ist. Sie sagte zu ihm: Rabbi, wenn du mir keine Nahrung gibst, siehe, so sterben eine Frau und 7 Söhne (Kinder). — Er stand auf und gab ihr Nahrung von seinem Eigentum. — Nach Tagen ward er krank und war dem Tode nahe. Da sagten die Dienstengel vor dem Heiligen — gepriesen sei er —: Herr der Welt! Du hast gesagt: Jeder, der (am Leben) erhält eine Seele von Israel, (ist) wie wenn er erhält die ganze Welt, und Benjamin, der Gerechle, der lebendig erhalten hat eine Frau und ihre 7 Söhne, sollte sterben in diesen wenigen Jahren? Sofort zerrissen sie (= man Gott) ihm sein (Todes-) Dekret. — Es wird überliefert: Sie (= man Gott) fügten ihm 23 Jahre zu seinen Jahren hinzu." 51t