Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 510

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Jüdische Armengesetze der neutestamentlichen Zeit
Date
1928-12-01
Page
510 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895475-2895481-2899264--03189-2899385
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Paul Fiebig ihm unter dem Titel des Geschenkes, und man gibt ihm (, wenn er weitere Geschenke nicht annehmen will,) unter dem Titel des Darlehns. Rabbi Schim'on sagt: Man sagt zu ihm: Bringe ein Pfand, damit sich sein Selbstbewußtsein hebt (wörtlich: damit sein Gemüt stolz ist)." Auch aus dieser Bestimmung sieht man, mit welchem Zartgefühl die jüdische Armenfürsorge zu arbeiten versteht. 6. Jede zweckmäßige Armenfürsorge muß auf rasche und tägliche Hilfe eingestellt sein. Denn wie oft kann es vorkommen, daß schnell aus vorübergehenden Schwierigkeiten geholfen werden muß! So hat denn die jüdische Armenpflege schon in neutestamenllicher Zeit feststehende Einrichtungen zu täglicher und wöchentlicher Hilfeleistung. Es heißt Tosephta Pea IV, 9: „Die (Armen-) Schüssel: (für sie wird von den Armenpflegern gesammelt) an „jedem" Tage. — Der (Armen-) Korb: (für ihn, der nur Geld enthält, während die „Armenschüsscl" Naturalien bietet, wird gesammelt) von Sabbalvorabend zu Sabbatvorabend (d. h. alle Woche). Durch diese Einrichtung ist also für tägliche Speisung und für die Mittel zu rascher Hilfe gesorgt, namentlich auch dafür, den Armen eine würdige Sabbatfeier zu ermöglichen. Im Neuen Testament wird sowohl die tägliche Verpflegung, als die wöchentliche Sammlung erwähnt. Für Armenschüssel und Armenkorb sammelten und sammeln bei den Juden besonders dafür bestellte Almosenpfleger, die ebenfalls im Tosephtatraktat Pea bereits erwähnt werden. Im Neuen Testament heißt es Apostelgeschichte 6, 1—6: j,1 In diesen Tagen, als die Jünger viele wurden, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen in dem täglichen Dienst übersehen wurden." Hier sieht man, daß bereits in der ältesten, jerusalemisch.cn Christengemeinde „ein täglicher Dienst" für die Witwen bestand. Es liegt nahe, anzunehmen, daß diese Einrichtung der jüdischen „Armenschüssel" entspricht, die .die Christengemeinde übernommen hat. Die Apostelgeschichte fährt fort: „2 Es riefen aber die Zwölf die Menge der Jünger herbei und sagten: Es ist nicht wohlgefällig, daß wir das Wort Gottes verlassen und den Tischen dienen (d. h. die Speisungen besorgen). 3 Suchet aber, Brüder, Männer aus euch aus, die ein gutes Zeugnis haben (d. h. gut beleumundet sind), sieben, voll von (heiligem) Geist und Weisheit, die wir einsetzen wollen (zur Aufsicht) über diese Notwendigkeit. 4 Wir aber wollen uns weiter befassen mit dem Gebet und dem Dienste des Wortes. 5 Und es gefiel das Wort vor der ganzen Menge, und sie wählten aus Stephanos, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und Philippos und Prochoros und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaos, einen Proselyten, einen Antiochener, 6 welche sie stellten vor die Apostel, und sie beteten und legten ihnen die Hände auf." Hier haben wir sichtlich eine gute geschichtliche Überlieferung. Dafür sprechen auch die angeführten Namen. Die Vorliebe für Zahlen tritt in der rabbinischen Literatur überall hervor. Besonders beliebt sind 2, 3, 5, 7, 12. 510

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.