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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 508

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Jüdische Armengesetze der neutestamentlichen Zeit
Date
1928-12-01
Page
508 (sequence 2)
Language
German
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Paul Frebig zu verlieren, die der Tosephtatraktat Pea darbietet. Ich mache nur auf die wichtigsten Grundsätze und Grundzüge aufmerksam. z. Der erste Grundsatz der jüdischen Armenpflege lautet: Der Arme hat auf bestimmte Abgaben ein gesetzlich begründetes Recht. Dieser moderne Grundsatz ist in der jüdischen Armenfürsorge uralt. Schon die 5 Bücher Mose schreiben bestimmte Naturalabgaben, auf die die Armen ein Recht haben, gesetzlich vor: die Pea (Feldecke), die Schikcha (das Vergessene), Leqet (Nachlese bei der Ernte), Oleloth (Nachlese beim Weinberg), Peret (abgefallene Beeren beim Weinberg). So erhält der Arme von jeder Ernte seinen Anteil. Außerdem steht dem Armen noch im 3. und 6. Jahre der Armenzehnt zu. 2. Der zweite wichtige Grundsatz der jüdischen Armenpflege ist die Individualisierung der Armenpflege. Man leitet diesen Grundsatz ab aus 5. Mose i5,8, wo es heißt: „So viel genügt für seinen Mangel, an dem er Mangel leidet". In Tosephta Pea IV, io wird hierzu folgendes gesagt: „Bediente er (d. h. der Verarmte) sich (früher) seidener Gewänder, so gibt man ihm seidene Gewänder. — (Braucht er) B r o t, so gibt man ihm Brot. — (Will er lieber) Geld, so gibt man ihm Geld. — (Bedarf er) Teig, so gibt man ihm Teig. — (Ist es nötig, weil er nicht selber essen kann,) ihm zu essen zu geben in seinen Mund hinein, so gibt man ihm zu essen in seinen Mund hinein; denn es ist gesagt (5. Mose i5, 8): „So viel genügt für seinen Mangel, an dem er Mangel leidet". — (Man gibt ihm daher) sogar (, wenn es ihm grade daran fehlt,) einen Sklaven, sogar ein Pferd. Ein Vorkommnis betreffend IIi 1lel den Alten, daß er für einen Armen aus guter Familie ein Pferd gekauft hat, mit dem er (d. h. der Verarmte früher) Sport trieb, und einen Sklaven, der ihn bediente. — Und ein Vorkommnis betreffend Leute von Galiläa, daß sie einem Ältesten ein Pfund Fleisch aufgebracht haben in Sepphoris an jedem Tage." Hier sieht man, wie diese individualisierende Armenfürsorge namentlich auch den verschämten Armen zugute kam. Oft wird gerade auf diese Weise besonders wirksam geholfen. Dort, wo das Judentum, wie etwa in Rußland oder Polen, bis auf den heutigen Tag die Grundsätze seiner Vergangenheit sorgfältig befolgt; ist es bis in die Gegenwart hinein vorgekommen, daß die Gemeinde oder mehrere Einzelne einem Armen ein Pferd gekauft haben, namentlich etwa dann, wenn das Pferd ihm für seinen Handel unentbehrlich war. Diese Individualisierung, die nicht ängstlich nur ein Minimum gewährt, sondern gerade das, was dem Armen fehlt, und ihn vor peinlichen Situationen bewahrt, ist für eine wirklich erfolgreiche Armenfürsorge besonders wichtig. Je umfangreicher freilich die Fürsorge sein muß, desto schwieriger ist diese Individualisierung. Viel aber ist schon dadurch gewonnen, daß dieser Grundsatz im Bewußtsein aller lebt und lebendig gehalten wird, zumal man ihn als im göttlichen Gesetz geboten weiß. 3. Eine Armenfürsorge, die nicht nur Schein ist, muß dem Armen den Hunger wirklich stillen. So ist nach 5. Mose i£, 28; 26, 12 ein weiterer Grundsatz 508

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