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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 507

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Jüdische Armengesetze der neutestamentlichen Zeit
Date
1928-12-01
Page
507 (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Armengesetze der neutestamentlidien Zeit Von Paul Fiebig Heutzutage spielt in Deutschland die Armenfürsorge eine große Rolle. Die großen Städte haben Fürsorgeämter und leisten auf diesem Gebiete viel. Der Arme empfindet seine oft gänzlich unverschuldete, durch Arbeitslosigkeit und andere Umstände hervorgerufene Armut als Grund zu einem Recht auf Versorgung aus öffentlichen Mitteln. Almosen, Wohltaten will er nicht, sondern er fordert sein Recht. Die Not der Zeit veranlaßt Einzelne und Körperschaften, vor allem auch religiöse Gemeinschaften, mit der Tat zu helfen, wo die öffentliche Fürsorge nicht alles leisten kann, was notwendig ist. Von den Grundsätzen der jüdischen Armenfürsorge wissen in weiteren Kreisen nur wenige etwas. Und doch verdient es gerade die jüdische Armenpflege, in weiteren, namentlich nicht jüdischen Kreisen bekannt zu werden. Sie ruht auf den Gesetzen des Moses und hat ihre Grundlagen treu bewahrt, namentlich alle diejenigen Grundzüge, die sie in neutestamentlicher Zeit erhallen und ausgebildet hat. Man gewinnt aus der rabbinischen Literatur des neutestamenllichen Zeitalters einen deutlichen Einblick in die damalige jüdische Armenfürsorge, der um so bedeutungsvoller ist, weil jene jüdischen Armengesetze sowohl für die älteste christliche Armenfürsorge anregend gewirkt haben, als auch bis zur Gegenwart innerhalb des Judentums fortwirken. Im folgenden hebe ich aus dem in neutestamentlicher Zeit entstandenen Tosephtatraktat Pea, der von der Armenfürsorge handelt, die wichtigsten Bestimmungen heraus, immer mit dem Blick auf die Gegenwart und auf die Anregungen, die von der jüdischen Armenpflege auf die christliche eingewirkt haben. Die Tosephta ist eine der M i s c h n a vielfach parallele und die Mischna vielfach ergänzende Zusammenstellung pharisäischer Traditionen. Sie zerfällt in „T r a k t a t e", wie die Mischna und danach der Talmud. „P e a" ist die Feldecke, deren Früchte man nach den Bestimmungen der 5 Bücher Mose für die Armen stehen zu lassen hatte. Es kann an dieser Stelle nicht meine Aufgabe sein, die jüdische Armenpflege auch nur der neutestamentlichen Zeit erschöpfend zu behandeln, ebensowenig, mich in alle die Einzelheiten der Rechtskasuistik 507

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