Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Der Kampf der russischen Juden um die Menschenrechte
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 494 (sequence 6)
- Language
- German
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M. Wischnitzer dauernd beherrscht von der Absicht, die Juden vom Land in die Städte des polnisch-litauischen Gebietes zu überführen, sie nach den schwach bevölkerten Gegenden, nach Ekaterinoslaw, nach der Tauris zu übersiedeln, das Innere Rußlands aber, durch die Beschränkung des Ansiedlungsrayons hauptsächlich auf die westlichen Gouvernements, abzusperren. Diese Politik könnte nun nicht unvernünftig genannt werden, wenn die Regierung den jüdischen Kaufmann begünstigen würde. Anstatt dessen wird er zur Entrichtung einer doppelten Steuer gezwungen und somit dem russischen Kaufmann gegenüber stark benachteiligt Auch das ursprünglich versprochene Wahlrecht wird in Frage gestellt und z. B. in Litauen auf die Vorstellungen der Stande hin überhaupt nicht durchgeführt Die Übersiedlung nach den südlichen, wirtschaftlich unentwickelten Gouvernements zur Hebung derselben wäre eine nützliche Maßnahme gewesen, wenn die Regierung diese Übersiedlung tatkräftig unterstützt hätte durch Überlassung von Boden, bezw. Finanzierung der Übersiedlung usw. Nichts dergleichen geschah. Die berufliche Umschichtung und die Übersiedlung sollte ohne staatliche Förderung durch negative Zwangsmaßnahmen allein erzielt werden. Daß die auf dem Lande von der Domänenpacht und von der Pacht des Schankgewerbes lebenden Juden sich gegen die Zwangsübersiedlung wehren mußten, liegt auf der Hand. Zu einer Zwangsmaßnahme wurde auch die Einführung des Militärdienstes unter den Juden, der angeblich zur Vorbereitung ihrer Gleichstellung mit den übrigen Landesbewohnern dienen sollte. Im schweren 2 5jährigen Militärdienst wurden die Juden aber nicht etwa den russischen Heeresangehörigen gleichgestellt, sondern zu einem viel härteren Regime verurteilt Die Jagd auf die jüdischen Rekruten, die Einziehung zwölfjähriger Knaben, die durch Foltern beim Militär erzwungenen Taufen der Minderjährigen waren nicht angetan, die Juden für das Soldatenleben einzunehmen. Die Regierung überließ den jüdischen Gemeindeverwaltungen, den Kahals, die traurige Rolle der Rekrutenhascherei, welche diese zu steuerpolitischen Zwecken ausnutzten. Der Klassenkampf innerhalb der Gemeinden wurde dadurch außerordentlich verschärft Was Bildungsmöglichkeiten betrifft, so wurde es gestattet, allgemeine Schulen zu besuchen, aber diese Schulen mit ihrem adligen Zuschnitt und ihrer christlich-religiösen Einstellung waren ein Odium für die strenggläubigen Juden. Die Regierung prägte nun das Schlagwort von der Verstocktheit, der 494