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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 492

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Der Kampf der russischen Juden um die Menschenrechte
Date
1928-12-01
Page
492 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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M. Wischnitzer unsere Kinder in Freiheit Leben sollen". Er führte ein jüdisches Regiment an, das 1790 bei der Belagerung von Warschau durch Suworow fiel. Die polnischen patriotischen Komitees, die 1794 sich allerorts bildeten, versprachen den Juden Gleichberechtigung im Falle eines günstigen Ausganges der Revolution. In Wilna wurden die Juden aufgefordert, der Revolutionsregierung den Eid zu leisten, in Grodno forderte man sie auf, Rekruten zu stellen. Ein neuer Geist, der Geist der französischen Revolution, flackerte in Polen am Vortage seines Unterganges auf, der zum erstenmal im Juden den Menschen, den Bürger anerkannte. Im Kampfe ums Recht, den die Juden in Warschau meist auf der Hintertreppe des Sejm und in den Städten mit den Magistralen führten, in diesem zähen, steten Kampf immer um dieselben heiß umstrittenen Rechte, mag uns die Judenheit des polnisch-litauischen Staates als eine sozial gleichartige Schicht erscheinen. Diese Vorstellung ist aber irrig. Im Laufe der Jahrhunderte macht sich infolge eines wirtschaftlichen Umschichtungsprozesses eine scharfe Differenzierung der Klassen in der jüdischen Bevölkerung geltend. Zwischen dem Großpächter, der staatliche Gefälle und die Güter der Magnaten verwaltete, und dem schlichten Handwerker bestand eine unüberbrückbare Kluft Der jüdische Gewerbetreibende führte einen Kampf auf zwei Fronten, gegen den christlichen Zunftmeister und gegen die eigene führende Schicht. Die jüdische Gemeindeverwaltung, die das Schulwesen, die hygienisch-sanitären Einrichtungen, das innere wirtschaftliche Leben, das Finanz- und Gerichtswesen leitete, wurde mit der Zeit nur zu leicht ein Werkzeug in den Händen der wirtschaftlich stärkeren Elemente zur Unterdrückung der schwächeren. Das wirkte sich aus in der Behandlung der jüdischen Handwerkerzünfte, in der Steuerlastenumlage usw. Und so finden wir bereits unter der polnischen Herrschaft bei den Juden das Problem des Kampfes der unteren Schichten gegen die Bedrückung der oberen. Die Teilung Polens bringt Weißrußland (1772), Wolhynien, Podolien, Minsk (1793) und Litauen (1795) unter russische Herrschaft; auf diesen Gebieten lebten ca. 15o 000 jüdische Einwohner. Rußland hatte bis dahin keine nennenswerte jüdische Bevölkerung. In seiner mißtrauischen Abschließung gegen Ausländer läßt es auch Juden nur in Ausnahmefällen ins Land. Im 17. Jahrhundert, mit der Eroberung der östlichen Ukraine, die erst Polen gehörte, übernimmt Rußland allerdings jüdische Einwohner und befolgt ihnen gegenüber die von Polen entlehnte Politik der wirtschaftlichen 492

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