Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Der Kampf der russischen Juden um die Menschenrechte
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 491 (sequence 3)
- Language
- German
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Oer Kampf der russischen Juden um die Menschenrechte legien verbürgten, bleibt somit im 16. Jahrhundert recht wenig übrig. Ebenso erscheint ihre persönliche Sicherheit durch Inszenierung von Ritualmordaffären und von Überfällen durch die Zöglinge geistlicher Schulen, ihre Freizügigkeit durch Ansiedlungsverbote in einer Anzahl von Städten und Bezirken, stark gefährdet. Weniger angetastet erscheint die Religionsfreiheit und das Selbstverwaltungsrecht, welches in diesen Zeitläuften denn auch intensiv ausgebaut wird. Durch die polnische Kolonisierung der Ukraine im 17. Jahrhundert dringen die Juden auch nach diesem Lande vor. Der polnische Gutsherr, und mehr noch sein - jüdischer Gutsverwalter, werden zur Zielscheibe des Hasses der ukrainischen Bauern, der Kosaken. Die Kosakenauf stände, die Rußland zu einem Kriege gegen Polen ausnutzt, lösen sich in Judenpogrome auf, die die jüdischen Gemeinden dezimieren. Das 18. Jahrhundert steht im Zeichen der fortschreitenden Zersetzung des polnisch-litauischen Reiches. Die Macht der Krone, an die die Juden gegen die Schlachta, die Geistlichkeit und die städtische Bevölkerung appellieren konnten, war im Schwinden begriffen. Die königlichen Privilegien verloren jede Geltung, so daß die Juden vollkommen rechtlos dastanden. In den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts macht sich bei den polnischen Gesetzgebern unter dem drohenden Zusammenbruch des Staatswesens eine Ernüchterung bemerkbar. Man beginnt die politischen und sozialen Zusammenhänge objektiver zu beurteilen, es entsteht eine von neuen Ideen erfüllte politische Literatur, es werden Projekte zur Reform der Staatsverfassung und des Verwaltungsapparates ausgearbeitet Auch die jüdische Frage wird Gegenstand der Erörterung in der Publizistik und im Sejm Die Juden selber melden sich zum Wort Es erscheinen Broschüren von jüdischen Publizisten, die die Abschaffung der erniedrigenden Beschränkungen und die Gewährung der Menschenrechte fordern. 17g! findet in Warschau eine Tagung jüdischer Vertreter statt, die in einer Audienz beim König um Bürgerrechte, Recht auf Grundbesitz in den Städten, Unabhängigkeit von den Magistraten und Sicherung der Selbstverwaltung ansucht Im Sejm erklingen Worte zur Rehabilitierung der Juden. Während der zweiten Teilung Polens ruft Berek Josseiewitsch die Glaubensgenossen auf zum Kampf um die Freiheit, „die uns Juden genau so fest und ehrlich versprochen worden ist, wie allen anderen. Damit wenigstens 491