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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 483

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
Date
1928-12-01
Page
483 (sequence 11)
Language
German
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Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert so auch jene beiden Persönlichkeiten, in denen sich der Übergang zu der modernen psychologisch-realistischen Literatur bedeutsam ankündigte und die daher über alle trennenden Gegensätze hinweg sich in inniger Gemeinschaft zusammenfanden: Immermann und Heine. Seinen Anfängen zufolge gehört Heine durchaus in die oben skizzierte Entwicklungsreihe, denn er hatte genau so wie jene jungen literarischen Adepten von der richtungweisenden Kunstlehre A. W. Schlegels seinen Ausgang genommen; in der hochgestimmten Atmosphäre des damaligen Berlin entfaltete sich, durch enge Fühlung und steten Gedankenaustausch mit dem Varnhagenschen Kreise befruchtet, seine Schaffenskraft, hier erregte im Jahre 1821 sein erster schmaler Gedichtband allgemeines Aufsehen. Während das Publikum diesem Gedichtbuche einen ungewöhnlichen Erfolg bereitete, mußte sein Autor die schwere Kränkung hinnehmen, daß keiner der anerkannten Meister der deutschen Literatur, weder ein Goethe, noch ein Tieck, noch ein Uhland von ihm Notiz nahm* Um so mehr mußte ihm die Rezension eines fast gleichalterigen Genossen wohltun, die ein tiefgreifendes Verständnis für seine Wesensart bekundete... ihr Verfasser war Karl Immermann. Diese im „Rheinisch-Westfälischen Anzeiger'* veröffentlichte Kritik hob mit warmer Anerkennung hervor, daß Heine vor allem das Haupterfordernis eines echten Dichters, nämlich eine innere Geschichte, aufweise; jene poetische Lebenswahrheit spreche er als ein wahrer Jüngling aus, so daß es unzutreffend sei, ihn mit Byron zu vergleichen, denn seine Empfindungsweise sei viel kräftiger und lebensvoller. Mit diesem einsichtigen Urteilsspruch war der Anknüpfungspunkt zwischen den beiden jungen Dichtern gegeben und der Grund zu einer unverbrüchlichen, von gegenseitiger Hochachtung getragenen Freundschaft gelegt In Heines weichem und biegsamem Gemüte regte sich, der vielleicht schönste Zug seines Charakters, das Gefühl für Dankbarkeit; überschwänglich quillt es in dem Briefe vom Dezember 1822 hervor, in dem er die persönliche Verbindung mit Immermann herstellt Er erklärt ihn neben dem Dänen Oehlenschläger für den besten dramatischen Dichter der Zeit und versichert ihm, daß niemand die Motive seiner Poesie so tief ergründet habe, wie er; in dem Bewußtsein, daß der Dichter eine kulturelle Mission erfüllen müsse, bietet er sich Immermann als Waffenbruder in dem heiligen Kampfe gegen verjährtes Unrecht und gegen die herrschende Torheit an, denn die Poesie sei am Ende doch nur eine schöne Nebensache. Von nun an verkündet er allenthalben den Ruhm seines neuen Freundes, mit hingebender Verehrung ordnet er sich dieser „kräftigen, leuch- 33 4S3

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