Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 482 (sequence 10)
- Language
- German
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Fritz Friedlaender Gegenwirkung. Aber nicht nur durch ein offenes Urteil, sondern auch durch Hilfsbereitschaft wußte Hitzig dem Freunde zu dienen; er nahm die mühselige Korrektur des „Kater Murr" auf sich und empfing dafür zum Danke einen kristallenen Pokal, den die Widmung „Der junge Autor seinem vielgeliebten Korrektor" zierte. Bis zu des Dichters Sterbestunde blieb Hitzig einer seiner zuverlässigsten und treuesten Freunde; er gab auch seine letzten Erzählungen heraus. Durch Hitzig hatte Hoff mann die Bekanntschaft Chamissos gemacht, dessen „Peter Schlemihl" ihm hohe Achtung abgenötigt hat Im Vorwort zu jener Dichtung hat Chamisso Hitzig als seinen nächsten, innigsten Freund, ab sein besseres Ich bezeichnet Hitzig ist der eigentliche Wegbereiter Chamissos, denn er hat den zwischen Frankreich und Deutschland einherschwankenden Dichter überhaupt erst in die literarische Welt seiner deutschen Wahlheimat hineingeführt Er ließ seine ausgedehnten literarischen Beziehungen dem adligen Freunde zugute kommen, er machte ihn zu einem Mittelpunkte der von ihm begründeten Mittwochsgesellschaft, einer literarischen Vereinigung, die nach Chamissos eigener Aussage „die wirklichsten Dichter und vorzüglichsten Geister Berlins" umfaßte. Auf Hitzigs energische Verwendung hin konnte Chamisso im Jahre i8i5 seine bekannte Weltreise antreten; in Hitzigs Haus, einem Sammelplatz der Berliner Intelligenz, lernte er seine spätere Gattin kennen. Nach seinem Tode gab Hitzig in letztwilligem Auftrag seine Werke heraus, er beschrieb auch, wie Hebbel in einer bemerkenswerten Rezension sagt, „mit jener schönen Selbstenthaltsamkeit, die Deutschland längst an ihm kennt und schätzt", Chamissos Leben. Hitzigs bleibende Bedeutung beruht auf seinen Lebensbeschreibungen jener drei letztgenannten Dichter, in denen er nicht nur zum ersten Male das Material geordnet und die Richtlinien für eine ästhetische Wertung entworfen, sondern auch die Geschichte seiner Freundschaft erzählt hat; gewiß ist seine Darstellung von einer im entwicklungsgeschichtlichen Verstände künstlerisch abgerundeten Biographie, wie sie Dilthey, Justi, Hayna und Herman Grimm geschaffen haben, weit entfernt, aber als authentische Dokumente, als Quelle und Grundlage aller weiteren Forschung behalten seine Bücher ihren literarhistorischen Wert Der Wirkungskreis Hitzigs war Berlin, und beinahe jede schöpferische Begabung, die, nach literarischer Tat dürstend, dieses Hauptquartier der fortschrittlichen geistigen Bewegung berührte, wurde von ihm angezogen; 482