Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 481 (sequence 9)
- Language
- German
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Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert kennen. Des persönlichen Haders nicht achtend, zeigte er sich durch Kleists Untergang erschüttert; er war es außerdem, der, dem Urteil seiner Zeit weit voraus, in dem nachgelassenen „Prinzen von Homburg" „das göttlichste Gedicht, das je aus Kleists Feder hervorgegangen" erkannte und mit allen Mitteln seine Veröffentlichung durchzusetzen suchte. Die tief menschliche Besorgnis um Kleists Schicksal teilte er mit einem Manne, der trotz gegensätzlicher Herkunft den Weg zu ihm fand: es war der ritterliche Fouque, der sich ihm so innig verbunden fühlte, daß zwischen beiden Männern das brüderliche Du vereinbart wurde. Hitzig besaß die Fähigkeit, nicht nur Freundschaft zu stiften, sondern auch zu übertragen. Bevor er in Berlin öffentlich wirkte, war er bis zum Ende der preußischen Herrschaft als Regierungsassessor in Warschau tätig, wo sich ihm der Dichter Zacharias Werner, der sich ebenfalls in religiösen Zweifeln befand, anschloß. Seinen neu gewonnenen Freund machte er wiederum mit jenem genialen Erzähler, Musiker und Zeichner bekannt, den er zur gleichen Zeit dort kennen lernte: mit E. T. A. Hoffmann, der seit Mai i8o4 als preußischer Regierungsrat amtierte. Hitzig fühlte sich von der schöpferischen Fülle des Hoffmannschen Geistes lebhaft ergriffen; auf jede ihm mögliche Weise suchte er dem bewunderten Freunde nützlich zu sein. Er wies ihn auf die Schöpfungen der romantischen Literaturbewegung hin und bestimmte dadurch seine künstlerische Entwicklung, er bekümmerte, sich um die Entstehung und Aufführung seiner musikalischen Werke; durch seine Vermittlung kam Hoffmanns Komposition von Fouques „Undine" zustande; als der Freund nach seiner Entlassung aus dem Staatsdienste mit schlimmen Berufssorgen kämpfte, stand Hitzig ihm hilfreich zur Seite. Hoffmann belohnte seine Treue, indem er ihn über den Stand seiner künstlerischen Arbeiten unterrichtete und einigen seiner Gestalten Züge des Freundes gab: so trägt einer der Serapionsbrüder Hitzigs Züge. Besonders befestigte sich das Verhältnis, als Hoffmann seinen dauernden Wohnsitz in Berlin aufschlug. Hitzigs bürgerlich biedere Natur nahm freilich an Hoffmanns genialischem Treiben bisweilen ein wenig Anstoß, namentlich die Trinklust des Freundes war nicht nach seinem Geschmack, dagegen ertrug er es mit gutem Humor, wenn Hoffmann ihn mit mephistophelischem Witze neckte. Seiner verstandesmäßigen Geistesart entsprechend folgte er der skurrilen Phantasie Hoffmanns nicht in allen Stücken: wohl zu Unrecht tadelte er die „Prinzessin Brambilla" und empfahl dem Freunde die Lektüre Walter Scotts zur 4SI