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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 480

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
Date
1928-12-01
Page
480 (sequence 8)
Language
German
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Fritz Friedlaender wollen dabei nicht den schweren Schatten übersehen, der auf diese ganze, an und für sich so ergebnisreiche Entwicklung fällt: Hitzig, dessen Namensänderung bekanntlich Heine im „Romancero" zum Ziele seines Spottes nahm, gehört ebenso wie Ludwig Robert und mancher andere in die schmerzlich große Reihe jüdischer Apostaten; jedoch es muß immer wieder daran erinnert werden, daß gesellschaftliche Ächtung und ökonomische Zwangslage dem damaligen Juden den Übertritt zur christlichen Kirche nahelegten, bis glaubenstreue Vorkämpfer wie Johann Jacoby und Gabriel Rießer zu der Einsicht gelangten, daß erst eine — auch heute noch nicht — vollständig vollzogene bürgerliche Gleichstellung dem Taufunwesen eine Schranke setzen könne. Jedenfalls sprach der große positive Zug in Hitzigs Persönlichkeit sich in einer erstaunlichen Begabung des Nacherlebens und Mitempfindens aus. Durch die feine Gabe der Einfühlung war er der rechte Vorläufer jenes vortrefflichen Redakteurs, der später im neu gegründeten Reiche einer der verdienstvollsten Förderer des geistigen Lebens wurde: Julius Rodenberg (eigentlich Julius Levy aus Rodenberg im Hessischen), der mit seiner „Deutschen Rundschau" ein publizistisches Forum schuf, wie es die deutsche Literatur und Wissenschaft noch nicht besessen hatte. Als Heinrich v. Kleist seit dem i. Oktober 1810 mit kühnem Wurfe seine „Berliner Abendblätter" herausgab, übernahm Hitzig trotz der buchhändlerisch ungünstigen Konjunktur den Verlag jener Zeitung, die zu Beginn einen erfreulichen Aufschwung nahm. Kleist trug kein Bedenken, mit Hitzig in Verbindung zu treten, denn er, den man in einseitiger Tendenz als den literarischen Wortführer der borussisch-christlichen Patriotenpartei hingestellt hat, war durchaus nicht judenfeindlich; abgesehen von dem Seelenband, das ihn mit Rahel verknüpfte, hat er mit Interesse und Vorliebe sich in den Zirkeln der geistig angeregten jüdischen Gesellschaft Berlins bewegt. Durch Kleists eigenwillige Redaktion, die dem Geschmack der großen Lesermenge kein Zugeständnis machte, geriet die Zeitung leider in einen unaufhaltsamen Verfall, für den Hitzig keine finanzielle Verantwortung übernehmen konnte. Kleist erhob nun, durch seine bedrängte Lage heftig erregt, gegen seinen bisherigen Verleger schwere Anschuldigungen, die sich jedoch als völlig haltlos erwiesen. Obwohl Hitzig an den Angriffen des verzweifelnden Dichters bitter trug, war er dennoch großzügig genug, um zu einer Zeit, wo Kleists gewaltige Dichtkunst das Gehör der Mitwelt vergeblich heischte, sich als unbedingten Bewunderer des verkannten Mannes zu be- 480

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