Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 476 (sequence 4)
- Language
- German
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Fritz Friedlaender wir haben alle dasselbe Herz und denselben Gott, und unsere kleinen Verschiedenheiten sind gewißlich diesem ewigen Geiste nur — Ähnlichkeiten." Das sittliche Verantwortlichkeitsgefühl Emanuels ließ ihn mit aller seelischen Kraft an dem Schicksal seiner Glaubensgenossen Anteil nehmen. Getreu der Weisung Mendelssohns hielt er die äußere und innere Emanzipation der jüdischen Deutschen für das Gebot der Stunde, hierdurch ist er in seinejm Wirkungskreise ein Vorläufer Gabriel Rießers geworden, der ihn in Anerkennung seiner Verdienste i838 mit seinem Besuche beehrte. Ebenso wie dieser machte er es seinen Glaubensbrüdern zur Pflicht, unablässig an ihrer sittlichen Vervollkommnung und intellektuellen Bildung zu arbeiten; Treue zum angestammten Glauben, Gerechtigkeitssinn, Wohltätigkeit, Nächstenliebe und Vaterlandsliebe waren die Tugenden, die er empfand und selber übte. Den stärksten Nachdruck legte er auf ein harmonisches Zusammenleben mit der christlichen Umwelt; zu diesem Zwecke knüpfte er zwischen seinen christlichen und jüdischen Freunden Beziehungen an. Mit großer Freude und Dankbarkeit erfüllten ihn Wohltaten, die von christlicher Seite den Juden erwiesen wurden. Dagegen peinigte ihn der schmachvolle Zustand, der es den Juden verbot, als gleichberechtigte Staatsbürger zum Wohle des Vaterlandes mitzuwirken. Darüber schreibt er am 10. Juli 1795 an Jean Paul: „Ich kann nicht ohne Rührung bleiben, wenn ich von der Tugend der Vaterlandsliebe lese. Und doch! den Juden und wäre er einer der angesehensten, größten, brauchbarsten, d. h. reichsten, kann ich bei der jetzigen Lage der Dinge, nach welcher er dem Staate nicht im mindesten nützlich sein kann, darf und soll, nicht zum christlichen Tagelöhner hinauf heben, auch nicht, wenn er die Ehre hätte, Hof jude zu sein. (Wie häßlich klingt das in meinem Ohr...) Von Kindesbeinen an, d. h, solange ich von Vaterlandsliebe nur etwas hörte, war es mein Wunsch, sie an den Tag legen zu können. Aber es war und ist nicht möglich." Sichtliche Genugtuung bereitete es ihm aber, als Jean Paul ihm von seinem Berliner Aufenthalt über den hohen Kulturstand der dortigen jüdischen Gesellschaft, die zu dem „aufgeklärteren Teil Berlins" gehöre, berichtete. Hierauf erwidert er dem Freunde mit der nur zu wahren Bemerkung: „Die Juden werden wie die Christen nützlicher und besser, wenn die Staatsverfassungen besser werden". Jean Paul hatte in Berlin nicht bloß bei „dem berühmten Herz und dessen großer gelehrter Frau" vorgesprochen, er war außerdem Rahel begegnet, die in ihrer entzückenden Art von ihm sagte: „... er 476