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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 452

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Die Rassenfrage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht
Date
1928-12-01
Page
452 (sequence 8)
Language
German
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Hans Hartmann Und damit stehen wir an einem sehr wichtigen Punkte. Wo man den Verfall fühlt, stellt man natürlich alles in den Dienst des einen Zieles, diesen Verfall zu vermeiden. Und da man gerechlerweise die Religion als e i n Lebensgebiet neben den andern, neben Kunst, Wissenschaft, sozialer Kräftekonzentration anzusehen pflegt, stellt man sie natürlich auch in den Dienst der Rasse; das heißt, sie wird einfach ein Element dessen, was Schallmeyer in seinem ungemein belehrenden Buche über „Vererbung und Auslese" den „Rassedienst" nennt Religion ist aber nicht ein Lebensgebiet neben den andern, sondern sie ist d a s entscheidende, auf das alle anderen bezogen sind und durch das alle anderen erst ihren wahren Sinn gewinnen. Und vor Gott ist auch die Rasse relativ und ihr Nicht-Untergehen im Sinne des Machtgedankens, des Nationalstaates und des Volkes von Weltgeltung kann und darf nie Wesensbestandteil einer lebendigen Religion sein. Hier ist eine Verflachung des Religiösen besonders gefährlich. Galton, der bekannte Professor für Eugenik, mit dem sich die neuere Rassenforschung dauernd auseinandersetzt, sagte 1905 (deutsch im Archiv für Rassen- und Gesellschaftsfoiologie io,o5, S. 812 ff.), die religiösen Vorschriften sollten so ausgelegt werden, daß sie mit den Bedürfnissen aufsteigender Nationen in Übereinstimmung gebracht werden. Ja, er ist überzeugt, daß die Eugenik starke Anwartschaft habe, die Weihen einer nationalen Religion zu erhalten, wenn nicht überhaupt die Religion der Zukunft zu werden. Obwohl reine Rassen fast nicht festzustellen sind und die Fachleute nicht einmal da reine Rassen annehmen, wo es jeder tun würde, z. B. bei den Juden in Palästina vor Jesus oder bei den Australiern, leistet man sich solche Naivitäten. Einer dieser Rassentheoretiker, Siebert, sprach in seinem Buche „Die Fortpflanzung in ihrer natürlichen und kulturellen Bedeutung" (München 1908) den Satz aus: „Im Sinn der Kultur ist Blutsfremdheit auch Minderwertigkeit". Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß heute vielfach die Kultur im Gegensatz zur Religion steht — aber nicht in dem Sinne, daß die Religion überholt ist, sondern in dem, daß die Kultur den Blick verlor für das Tiefste und Entscheidende des Lebens, — hier wäre der Beweis geliefert Und als ob es so sein müßte, es finden sich immer Wissenschaftler, die die Sache noch übersteigern. So schreibt ein Schüler Gobineaus, jenes unwissenschaftlichen Vergötterers der nordischen Rasse, der bei Gleichgesinnten hochangesehene französische „Anthroposoziolog" de Lapouge: „Ich bin überzeugt, daß man sich im nächsten (20.) Jahrhundert nach Millionen schlachten wird wegen ein 452

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