Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Die Rassenfrage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 451 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Rassenf rage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht kann. Damit sondern wir uns streng ab von der Rassentheorie, die bestimjnte Eigenschaften und Möglichkeiten (staatlicher, religiöser, kultureller Art) mit bestimmten Rassen von vornherein verbindet und dann natürlich nicht dem fatalen Schicksal entgeht, daß sie jene Eigenschaften und Möglichkeiten in eine bestimmte Rangordnung preßt, also wertet, wobei die Wertung fast stets zugunsten der eigenen Rasse ausfällt. Diese Rassentheorie halten wir für gescheitert und überholt Damit ist aber die Religion aus dem Heiligtum geflohen und verweltlicht, das heißt, sie hat nichts mehr mit Gott zu tun. Am meisten ist wohl die Religion der Inder dieser Gefahr entgangen. — Uns werden aber zwei Beispiele aus der Gegenwart besonders tief bewegen, nachdem die Juden das für diese Frage geradezu begnadete Schicksal getroffen hat, überhaupt an der Bekämpfung einer anderen Rasse gar nicht mehr interessiert zu sein, nachdem das Judentum Ferment der Völker durch die Zerstreuung geworden ist. Daß es im Ostjudentum noch ganz gelegentlich jenen Abweg von wahrer Religion gibt, wo also die Erlösung nicht rein religiös gefaßt ist, sondern mit dem Kampf gegen eine unterdrückende und quälende Rasse verbunden wird, wissen wir natürlich alle und können es auch begreifen; aber das Gesamtbild ändert sich nicht dadurch. Heute aber finden wir in Amerika und Deutschland deutliche Beispiele von Religion im Dienst der Rassenangst Das Christentum der Neger wird in weiten Kreisen drüben als eine Religion zweiter Klasse angesehen, die durchaus nicht die Bruderschaft der Weißen und Schwarzen herstelle, und es bedarf des ständigen wachsamen Kampfes ehrlicher Christen, damit Gott nicht zu einem Schützer der weißen gegen die aufsteigende schwarze Rasse degradiert wird. Besonders verheerend ist nun diese Verfälschung der Religion in Deutschland, wo so gerne vom alten deutschen, ja (vor einigen Jahren) sogar vom alten preußischen Gott, der zugleich der große Alliierte im Himmel ist, gesprochen wird. Da sich nun der Gott der Bibel auf die Dauer doch nicht zu einem Rassengott eignete, nahm er mehr und mehr die Züge Wotans; an und wurde der Mittelpunkt eines neudeutschen Heidentums, für das die Zeugnisse ja einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden anfangen. Wir müssen aber bei der Beurteilung festhalten, daß das alles nicht leere Spielereien sind, sondern Ausdruck einer oft krankhaft gesteigerten Rassenangst 31 45t