Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Die Rassenfrage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 450 (sequence 6)
- Language
- German
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Hans Hartmann Christentum den geschlossenen und doch ins Überirdische strebenden Bau einer Kathedrale verliehen — wir denken an Thomas von Aquino, oder sie haben es in unreflektiert-mystischer Weise mit dem Ur- und Naturgrunde alles Lebens verbunden — wir denken an Bernhard von Clairvaux oder den heiligen Franz. Diese Abhängigkeit des religiösen Bewußtseins von der Rasse war nun insofern eine fragwürdige und fatale Sache, ab sie vergessen ließ, daß die Grundfrage des Lebens ja immer und überall die gleiche ist, daß es also gar nicht entscheidend auf das Festhalten der Erscheinungswelt ankommen könne, sondern daß jede Religion eben jene Grundfrage meine und nur jene Grundfrage, zu der sie dann alle in verschiedener Weise Stellung nehmen. Die Grundfrage, die nun freilich nicht auf eine eindeutige Formel gebracht werden kann, ist aber die nach der Verwirklichung (wobei die Frage nach der Erlösung immer nur einen Teilkomplex bedeutet), die Frage nach dem Gestaltgewinnen Gottes auf dieser Erde — und zwar geht durch jede Religion eine Scheidung der Art, daß die eine Richtung beim Gestaltgewinnen Gottes im Menschen ansetzt, während die andere von der gemeinsamen Verhaftung und Verknechtung an die Dinge ausgeht, die es zu überwinden gilt. Der Sinn der Tatsache, daß die Gegenwart von der Oberfläche, also der Erscheinungswelt der Religionen, zur Erkenntnis der Sache selbst vordringt, also die Flachheit der konfessionellen Polemik (auf Grund der vergleichenden Konfessionskunde) überwindet, kann nur der sein, daß man gemeinsam an dem Lebendigwerden und der Lösung jener Urfrage arbeitet Ehe wir aber die Verwirklichung auf dem Gebiete der Gestaltung, also des Rechtes, verfolgen, haben wir noch an einem anderen Komplex die Abhängigkeit der Religion von der Rasse zu erkennen und die Folgerungen daraus zu ziehen. Die Abhängigkeit der Religion von der Rasse macht sich nämlich noch in einer anderen Weise bemerkbar, und zwar im Gegensatz zu dem bisher Gesagten so, daß es schwer fällt, den tieferen Sinn darin zu sehen. Die Religion kann nämlich in den Dienst des Rassenkampfes gestellt werden, wird also ein Ausdruckder Rassenangst und der Rassennot und ein Kampfmittel gegen den als „Fremdling" Empfundenen. Es muß gerade hier, um Mißverständnisse auszuschließen, nochmals betont werden, daß wir „Rasse" nach wie vor in jenem relativen Sinne fassen, nämlich als ein anderes Volk oder eine Gruppe im eigenen Volke, die auf Grund einer Anzahl von Merkmalen, die in jedem einzelnen Falle anderer Art und Mischung sein können, als „fremd" empfunden wird, ja zum Typus des Volksgegners und Volksschädlings werden 450