Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Die Rassenfrage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 449 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895475-2895481-2899259--03123-2899324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Rassenf rage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht und den Sinn ihres Daseins erfahren werden. Das politische Schicksal zeigte dann, daß die Bündnisse mit Babylonien oder Ägypten nicht der wahren Aufgabe Israels entsprachen und so bildete sich dann jene „Gesetzesreligion" heraus, deren Wesen es ist, die jüdische Weltsendung im Stadium des Gesetzes und in der Heiligung des Ein zeHebens festzuhalten. Als dann das Schicksal die Juden in die Zerstreuung trieb, mußte sich jenes Sendungsbewußtsein immer mehr in verborgene Kreise — ich denke etwa an die Chassidim — zurückziehen oder sich in eine mehr philosophische Religion verwandeln, die Anschluß, suchte an die Ideen der Zeit, etwa in der Aufklärung (bis Cohen), und so dem offensichtlichen Schicksal der Rasse, dem Eingehen in die Völker und der geistigen Befruchtung derselben, gerecht wurde. Es ist dabei kein Zweifel, daß jenes oben genannte Auseinandertreten in zwei Rassenstämme ganz wesentlich die religiöse Entwicklung beeinflußte, wie man an der Religion der — ich bediene mich nun einmal der gröberen Ausdrücke — Ost- und Westjuden sieht Tun wir noch einen Blick nach Osten. Die Inder brachten ganz von selbst eine Religion hervor, deren wesentliches Merkmal ruhige Versenkung, Nicht- Unterscheidung der Gegensätze, Verzicht auf Kampf durch das Prinzip der Askese und Aufgehen im Unendlichen ist Die Chinesen dagegen sind eine Rasse, bei der die Gestaltung des familiären und öffentlichen Lebens im Mittelpunkte steht; daher bildete ihre Religion den Kult der Ahnen und des Kaisers aus, der symbolisch den Himmel, das Prinzip der Ordnung, vertritt Besonders lehrreich ist die Art, wie die verschiedenen Rassen sich das Christentum aneigneten. Das Christentum bei den Romanen, bei den nordischen Völkern und bei den Slawen ist so unterschiedlich, daß oft nicht mehr als die Gemeinsamkeit der Begriffe übrigblieb. Der Heliand zeigt Christus als einen germanischen Heerführer, dem es die Mannentreue zu halten gilt — wobei es durchaus nicht so steht, daß die Treue als besondere germanische Eigen?- schaft feststellbar ist; vielmehr haben die Germanen stets unter dem Fluch der Untreue gelitten und daher die Verpflichtung zur Treue besonders betonen müssen. Bei den Slawen ist das Christentum zu einer weiten, unendlichen Sache geworden, die alle Möglichkeiten des Lebens in sich begreift, jede Stellungnahme möglichst vermeidet, das Geheimnis hinter der Bilderwand, die das Volk vom Heiligtum vollkommen trennt, verborgen sein läßt und als Gegensatz eine stumpfe Beherrschung durch den Priester ermöglicht. Die Romanen dagegen haben in der Leuchtkraft und Klarheit ihres Geistes dem 449