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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 439

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
Über die Bedeutung religiöser Formen für die Erziehung
Date
1928-12-01
Page
439 (sequence 7)
Language
German
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Ober die Bedeutung religiöser Formen für die Erziehung Indessen bleiben all diese Fragen für unsere weiteren Erörterungen außer Betracht. Das Religiöse ist eine lebensgestaltende Macht. Wirkliche Religiosität hat auf die Lebensführung den allergrößten Einfluß. Wo der Blick nur auf das Materielle, nur auf das Erdenhafte gerichtet ist, wo alle Beziehungen zu einer höheren Welt fehlen, da wird sich leicht eine Verantwortungslosigkeit und Zügellosigkeit breit machen, wie wir sie in unseren Tagen nur zu deutlich beobachten können: laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot! Der Glaube an die höhere Welt verleiht dem Leben erst seinen Sinn, und erhebt es damit über das Alltägliche: „Wer über der Erde nicht lebt — der lebt auch nicht auf ihr", die Religion gibt dem Leben einen Halt Freilich fordern wir, daß das Handeln sich auf freie Entschließung gründe, daß sich der Mensch selbst für seine Tat verantwortlich fühle und seinem Gewissen folge, wir fordern Freiheit für sein Gewissen und für sein Tun gemäß seiner religiösen Überzeugung; die Religion soll ihn nicht einengen, sondern zur inneren Freiheit führen. Wir sehen in dem Religiösen einen Wert, der unbedingt erhalten und in unsere Kinder eingepflanzt werden muß, in unsere Kinder, für deren Leben wir verantwortlich sind. Von hier aus ergibt sich nun die Forderung einer religiösen Erziehung, aber auch das große und schwere Problem, wie diese ermöglicht und durchgeführt werden kann. Das Religiöse ist eine innere Haltung: „Es ist nicht draußen, da sucht es der Tor; Es ist in Dir, du bringst es ewig hervor", es besteht nicht in der (gedankenlosen) Erfüllung irgendwelcher Formen, sondern in dem Verhalten des Menschen zu Gott und zu seinen Mitmenschen, in seinem Leben, es will erlebt und gelebt werden. Aber gerade deshalb setzt es eine Erlebnisfähigkeit und eine Reife voraus, die das Kind nicht hat, ja die selbst der Jugendliche nur selten besitzt Was kann da also religiöse Erziehung tan? III. Persönliches religiöses Leben ist, so führten wir aus, durchaus möglich, ohne die Übernahme, ohne die Befolgung gegebener, historisch gewordener Formen. Allein hier müssen wir doch eine Reihe von Erwägungen, Einschränkungen und Einwänden anschließen. Zunächst muß gesagt werden, daß diese Art der Religiosität naturgemäß nie zur Gemeinschaftsbildung führen kann, 439

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