Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Die 7. Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 408 (sequence 4)
- Language
- German
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Martin Goldner deren er aber bewußt nur ein einziger sein will. So fragt man auch, warum lehnt Felsenthal außerhalb seiner Verbandes die Schaffung von Bildungsstätten, von unabhängigen Lehrstätten jüdischen Wissens ab, die seinen Freunden ebenso offen sein werden wie allen anderen — und aus allen aber die Gemeinschaft wirken sollen, die selbst weiter wirkt. An praktischen Beispielen ins einzelne gehend referierte Dr. Herzfeld-Essen über die Arbeit der Jugend in der Gemeinde. Wesentlich hierüber und über die Gestalt des Bundes entspann sich die überaus lebhafte Debatte. Aus ihr können nur die Mahnungen des Mannheimer llabbiners Grünewald hervorgehoben werden, der wiederum dazu aufrief, daß die Jugend erst wieder revolutioniert werden müsse, um ganz anders als jetzt — nicht mehr mit formalen Begriffen und Schreibtischentschließungen — an ihre Aufgabe herangehen zu können. Den Abschluß der Tagung bot Dr. Hahns Referat über die „Jüdische Jugend im Weltjugendbund", in dem er die Wichtigkeit und hohe Aufgabe der Mitarbeit an diesem Friedenswerk der Weltjugend ausführte. III. Aus dem Kreise des Verbandes erschien im letzten Heft dieser Zeitschrift eine Schilderung der „Jüdischen Jugendbewegung" von Ernst Holzer. Sie gipfelte, wie nur selbstverständlich, in einem Ausblick in die Zukunft des Verbandes als überragender Organisation der jüdischen Jugend. Nicht hierauf und auch nicht auf die Verunglimpfungen anderer Bünde, die dem Verfasser unerläßlich erschienen, seine geringe Kenntnis der Bünde überhaupt, oder die statistischen Irrtümer, die ihm unterliefen, soll eingegangen werden, sondern nur ein kurzes Schlußwort zu seinen allgemeinen Ausführungen sei gestaltet. Aus diesem und dem eingangs Gesagten wird sich auch das Bild des Verbandes runden und ihm wie dem Leser zur Klärung verhelfen. Im Mittelpunkt jener Ausführungen steht das Älterenproblem, das in der Tat die Kernfrage der Jugendbewegung geworden ist. Hier, wo das im Bunde der Jugend gespielte Spiel, wo der dort geträumte Traum zur Wirklichkeit werden soll, wo Gesinnung bewährt, Aufgabe erfüllt, Zukunft, Gegenwart werden soll, hier ist der Prüfstein für Wahrheit und Echtheit. Hier erweist sich erst endlich, wer Führer, wer Geführter ist, hier an der Pforte der Wirklichkeit harrt die letzte Prüfung, die letzte Umwälzung des jungen Menschen, der Mann wird. Die Jugendbewegung, das Spiel, der Traum zielen über das nächstmögliche Maß hinaus, ihre Wirklichkeit ist nicht die der Gegenwart. Jetzt gilt es, langsam zu bauen, das Maß zurückzustecken, — aber das Ziel bleibt dennoch stehen. Dies wird nie ohne Kampf abgehen — darf nicht ohne ihn sein. Im Bunde ward schon einmal durch diese Kraft der Geführte zum Führer. Seine Kraft, sein Rhythmus gestaltete seine Gruppe, und nur zu oft versiegte der Gruppe Kraft mit seinem Scheiden. (Nicht umgekehrt, wie Holzer glauben macht.) Im Leben der Wirklichkeit wird nicht anders der Führer sich finden als durch diese ausscheidende ringende Kraft. 408