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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 406

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Die 7. Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Date
1928-10-01
Page
406 (sequence 2)
Language
German
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Martin Goldner zu sich selbst hatte" (Baeck) und kernen Anspruch auf das Erwachsensein, die Wirklichkeit der Gegenwart., sondern nur erst die der Zukunft erhob. Aber es lag in dem Wesen der Jugendbewegung, daß sie dauerhaft nur auf eine kleine Schar sich erstrecken konnte, daß sie nur diejenigen bilden konnte, die aus der Freiheit der Jugend und des Einzelnen in die Pflicht der Gemeinschaft hineinfanden. Und so blieb sehr bald wieder die große Masse der jüdischen Jugend unbeteiligt. An sie wandte sich mit neuer Tatkraft eine kleine Führergruppe des alten Verbandes, und ihr gelang es mit bewundernswerter Energie in zweijähriger Arbeit die Zwölftausend zu sammeln, die als ein wichtiger Faktor der jüdischen Jugend sich in Dresden vorstellten. Aber diese 12 000 sind bewußt die jüdische Masse; sie kommen mit einem großen Willen und einer großen Bereitschaft: Geführt zu werden! Das haben sie in Dresden bewiesen. Darin aber sind sie nur die "Vorschar der 5oo 000 deutschen Juden, die geformt und neubeseelt werden müssen, wenn die von den Führern gezeichnete jüdische Wirklichkeit auch zur jüdischen Gegenwart werden soll. So überwältigend die Zahl der 12 000 auch ist, so kann aus ihr doch kein anderer Anspruch sich herleiten, als der auf Hilfe. Auf Hilfe in jeder Beziehung, im kulturellen und sozialen, im religiösen wie im rein verwaltungstechnischen Leben der Gemeinde. Das Gewicht der Zahl hört aber dort auf, wo die Größe der Gesinnung, die Entschiedenheit des Willens entscheidet, wo die Führerschaft aus Beruf, nicht die der Wahl zusammentritt. Die Masse der 12 000 verlöre ihren einzigen Halt und würde zur leeren Organisation herabsinken, verfiele sie der Selbstgenügsamkeit und Sattheit der Zahl und versuchte sie gegen diejenigen sich zu erheben, die schwächer an Zahl, aber eben darum stärker an Bewegung, leichter an Beweglichkeit sind. Die Anzeichen dazu sind leider — trotz Wieners Warnungen in Dresden — vorhanden, sie klingen durch manche Äußerungen aus Verbandskreisen und rufen bereits im Reichsverband der jüdischen Jugend Mißklang hervor. So sehr der Verband also eine begrüßenswerte Chance des deutschen Judentums ist, so verdienstvoll er die jüdische Masse sammelt zur Gestaltung, so bedauerlich wird es sein, wenn er seine Zahl zu politischen Schachzügen mißbraucht. 11. Nach diesem Bilde des Verbandes konnte die Tagung mehr nur eine Heerschau als eine einmütige Kundgebung sein. Heerschau besonders für die Führer, die hier vor die Masse — eben nicht aus ihr — traten und ihren Aufruf an sie richteten. Mahnend begrüßte Baeck, der Führer des gesamten deutschen Judentums, die Tagung und rief ihr ihr Recht und ihren Anspruch auf die Jugend und deren Freiheit ins Gedächtnis, mahnte sie jung zu sein, um eines Tages ganze Männer und Frauen, ganze Juden sein zu können. Seine Worte — kennzeichnend — ein Aufruf an die Jugend zur Jugendbewegung. Mahnender noch Wiener in der Hauptrede des Tages, die von der Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit handelte. Er zeichnete die Gefahr, die einkehrt mit dem heute 406

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