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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 402

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Die Einheit der Bibel
Date
1928-10-01
Page
402 (sequence 3)
Language
German
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Franz Rosenzweig spiel: wir waren stark in Versuchung, die von der Kritik allgemein angenommene Lesart zu Exodus 17, 16 (nes für kes) zu übernehmen; die Entscheidung für den massoretischen Text war wesentlich bestimmt durch den Wunsch, dem großartigen messianischen Midrasch *) zur Stelle nicht seinen Anknüpfungspunkt zu nehmen. Auch da könnte ich in diesem „Plaudern aus der Werkstatt" fortfahren und käme an kein Ende. Aus diesen beiden Einheiten, der der schriftlichen, geschriebenen, und der der mündlichen, gelesenen, Thora, erwächst für den Übersetzer die Aufgabe eines Kampfs um die Wörtlichkeit der Terminologie, der in andern Übersetzungen kaum unternommen wird und der wohl das umschreibt was wir als unsre Verwandtschaft mit Hirschs Übersetzungsunternehmen empfinden. Terminologie dabei verstanden in einem Umfang, der sowohl weiter als intimer ist gegenüber dem was sonst als terminologisch bezeichnet wird. Denn es handelt sich nicht etwa nur um Begriffe wie rachamim2) und dergl., sondern um anscheinend ganz „untheologische" Worte. So ist es etwa von grundsätzlicher Wichtigkeit, daß die Fäden, die zwischen den erzählenden und den gesetzlichen Teilen der Thora hin und her laufen, auch in der Übersetzung erkennbar werden. Um ein Beispiel zu geben: es ist von größter Wichtigkeit, daß rekom3) Genesis 3i, 42, Exodus 3, 21, Deuteronomium i5, i3 mit einem gleichen und eigentümlichen Ausdruck übersetzt wird; nur so kann die berüchtigte Exodusstelle richtig verstanden werden. — Ins Intime muß der Begriff der Terminologie ausgedehnt werden insofern, als er nicht nur auf die Worte, sondern oft auch auf die Wortwurzeln zu gehen hat. Etwa Levitikus 19, 4 muß in elilim . sowohl die Beziehung zu al wie die zu el spürbar werden.4) Auch hier könnte ich vielleicht aus jedem Vers ein Beispiel bringen. Aber für den, der Hebräisch kann, ist es ja nicht nötig; er merkt von selber, warum so und nicht anders übersetzt ist. Und für den, der kein Hebräisch kann, bleibt es nun einmal eine „künstlerische" Übersetzung. Mit diesem Mißurteil, das die Übersetzung seit dem ersten Erscheinen begleitet, habe ich mich allmählich abgefunden. Ich bin schon froh, wenn es als Tadel gemeint ist und nicht, wie leider meist, als Lob. Eine lächerliche Verkennung bleibt es in beiden Fällen. Nicht um Schönheit geht es, sondern um Treue. Beurteilt soll x) Das verkürzte Wort für Hochsitz (Ate» statt kisseh) und der verkürzte Gottesname (Joh statt Jhwh) seien das Zeichen dieser unserer Weltzeit, in der „Geschlecht zu Geschlecht" der Kampf gegen „Amalek" währe; wenn aber einst „Amalek" gebändigt ist, dann ist „der Hochsitz vollkommen, der Name vollkommen". 2) Erbarmen. 3) Leer, an den angeführten Stellen: lohnleer. Die traditionelle Erklärung des Heischens (nicht Leihens) der goldenen Geräte durch die aus Ägypten Ziehenden als des für die jährt* hundertelange Knechtsarbeit geschuldeten Lohns ist erst durch B. Jacob (MGWJ. 68,381 ff«) aus einer Apologese zu einer wissenschaftlichen Exegese erhoben: die entlassenen Knechte heischen das Geschenk, das nach jüdischem Recht der Herr dem entlassenen Knecht als materielle Grundlage seiner freien Existenz zu geben hatte. *) al ja nicht, el Gott, elilim Gottnichtse. 402

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