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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 396

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Die "Judenfrage" in Hellpachs "Politischen Prognosen"
Date
1928-10-01
Page
396 (sequence 4)
Language
German
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Adam Röder kalen Rassen sich nähert. Die Haut wird trockener, ihr Rot verliert sich und ihr Drüsenapparat tritt sehr zurück; ferner wird das Haar dunkler und glatt, der Kopf kleiner; im Gesicht treten die Schläfengruben mehr hervor, die Jochbeine bilden stärkere Vorsprünge, die Augen werden tief erliegend, der Unterkiefer erscheint plumper. Ferner werden die Knochen der Extremitäten länger, zugleich aber auch dünner, sodaß man in England und in Frankreich sich veranlaßt fand, für die Vereinigten Staaten besondere Handschuhe mit sehr langen Fingern nähen zu lassen. Das Hagere und Schlanke ist die vorherrschende Körperform, das Blasse der Typus der Gesichtsfarbe geworden, und die körperliche Entwicklung hat einen für Sprößlinge des mittleren Europa so auffallend raschen Verlauf angenommen, daß ein berühmter französischer Reisender dies sogar mit dem prägnanten Ausdruck bezeichnen konnte, die Nordamerikaner hätten keine Jugend. Auf den Antillen werden die Europäer durch längeren Aufenthalt unerkennbar und nehmen manche amerikanische Züge an. Die Portugiesen sind auf den kanarischen Inseln blaß und gelblich geworden; ihre Creolen haben daselbst eine rötere und braunerne Farbe angenommen. In derselben Weise ändern sich die Engländer in Australien um. Sie tragen zwar, sagt Jung, den Stempel britischer Paternität stets auf der Stirne, dennoch aber, den Einflüssen des Landes und des Klimas ausgesetzt, unterscheiden sie sich in der Folge nicht weniger von denselben als es jetzt die Amerikaner tun. Welche Form dieser Typus annehmen wird, läßt sich schon jetzt an der jungen Generation erkennen. Die Gestalten erscheinen zwar immer noch recht kräftig, aber sie sind schlanker und die frische, englische Gesichtsfarbe geht mehr und mehr verloren. Dabei ist der Charakter fröhlicher, heiterer; von dem kühlen Berechnen der Amerikaner findet sich hier weniger. Auch an den nach Amerika eingeführten Negern sind die klimatischen Einflüsse sichtbar. Einige Schriftsteller behaupten, daß die nach Amerika eingeführten Neger nach mehreren Generationen den Weißen sich nähern. Die auf den Antillen geborenen Negerkinder, sagt Reiset, besitzen die Negercharaktere nur im geringeren Maßstabe. Das Haar und die Hautfarbe bleiben, aber das Gesicht verliert seinen Negertypus, und in allen anderen "Beziehungen tritt der Creolneger dem Weißen näher. Im Verlauf von einhundertfünfzig Jahren haben sie hinsichtlich des äußeren Ansehens ein gutes Viertel der Strecke zurückgelegt, welche sie von den Weißen trennt. (Platz: „Der Mensch".) Rasse ist die Individual- Ausgabe des Einen Typus Mensch in der durch das Milieu bedingten Variation. (In meinem Buch „Reaktion und Antisemitismus" habe ich das Thema gestreift; in einem in Vorbereitung befindlichen größeren Werk: „Die Mentalität des 20. Jahrhunderts" werden diese Fragen eingehend behandelt.) Es gibt keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen den einzelnen Völkern; Rasse ist eine durch das Milieu bedingte Erscheinung. Nur wer auf diesem Standpunkt steht, wird gegen die Anfechtungen des rassisch und völkisch argumentierenden Antisemitismus geschützt sein. Ich kann darum die biologisch-physio- 396

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