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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 395

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Die "Judenfrage" in Hellpachs "Politischen Prognosen"
Date
1928-10-01
Page
395 (sequence 3)
Language
German
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Die „Judenfrage" in Hellpachs „Politischen Prognosen" Sarmate, vielleicht als Südfrannzose, auch noch als Balkanier. Es sind im deutschen Volksbild physiognomisch alle Rassen vertreten, bis zum „weißen Neger" und sie müssen schon sehr den Mund auftun, um sie als Deutsche erkennbar zu machen. Das gleiche gilt — in Europa und Nordamerika — mutatis mutandis — von allen Nationen. Die Europäer gleichen sich wie ein Ei dem andern. Es wird physiognomisch kaum in einem Fall mit Sicherheit festzustellen sein, welcher Nation der zu Klassifizierende angehört. Hellpach bietet ein ganz ungewöhnliches Maß von Beredsamkeit auf, um nachzuweisen, daß all die Gründe der Völker-Rassen-Politiker für eine prinzipiell unterschiedliche Betrachtung und Beurteilung der Völker und Stämme nicht in Betracht kommen. Aber bei der nächsten Gelegenheit kommt er wieder auf seine Lieblingsvorstellung „blutsmäßiger" Völkerphysiognomie zurück. Das macht: Hellpach steht nicht auf dem Standpunkt der absoluten körperlichen und geistigen Einheit des Menschengeschlechts. Wer diesen festen Boden verläßt, kommt zu „schwankenden" Resultaten, wird nicht gegen den „Rassenwahn" gefeit sein, nicht gegen Nationalismus und Chauvinismus, nicht gegen Ungerechtigkeiten und Vorurteile bei den relativistischen Gegenüberstellungen der Volkschaften zueinander. Die Arteinheit der Menschheit in körperlicher und geistiger Beziehung kann wissenschaftlich nicht bestritten werden. Diese Arteinheit hat nichts mit Gleichheit zu tun. Es gleicht kein Mensch dem andern. Dieses Ungleichheitsmomenl geht durch alle Rassen. Es hat nicht erst der Daktyloskopie bedurft, um diese Tatsache zu erhärten —, auch die neueren Blutuntersuchungen haben ergeben, daß das Blut, die „Blutkörper", wie Individuen aus der nämlichen Familie sich unter besonderen Umständen feindlich gegenüber verhalten. Die Individual-Seela mit ihrer Oberherrschaft über den ganzen Komplex des Animalischen macht sich bis ins kleinste geltend. Was wir an Unterschiedlichkeiten bei den Einzelnen bemerken, ist nicht ans „rassische" geknüpft, sondern stellt dar ein ganz spezifisches Individual-Gut, das dem Gesetz der Vielgestaltigkeit entspricht, das die ganze Natur nach dem Willen des Schöpfers beherrscht. Es kommt freilich ein wichtiges hinzu. Der einheitliche Typus Mensch erhält eine Modulierung durch das Milieu. Unter diesem verstehe ich im weitesten Sinne: den Gesamtkomplex aller tellurischen, terrestrischen und psychologischen Bedingungen, Klima, Licht im weitesten Sinne, Erdbeschaffenheit, Einfallswinkel der Sonnenlichtbestrahlung; im Geistig-Seelischen: Tradition, Erziehung, religiöse Einstellung. Den Primat in diesem Komplex hat das tellurisch-klimatische. Jedes Individuum, sei es Pflanze, Tier, Mensch, paßt sich dem tellurischen Milieu an, in das es verpflanzt wird. In den Vereinigten Staaten hat die englische Rasse erst seit den Einwanderungen der Puritaner gegen 1620 und seit Penns Ankunft im Jahre 1681 gehörig Fuß gefaßt. Nur zwei und ein halbes Jahrhundert sind seitdem dahingegangen, und der Anglo-Amerikaner oder der Yankee gleicht seinen Ahnen nicht mehr. Bereits in der zweiten Generation zeigt sich bei dem amerikanischen Creolen des Nordens eine etwas veränderte Gesichtsbildung, die jener der lo- 27 395

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