Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Die "Judenfrage" in Hellpachs "Politischen Prognosen"
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 394 (sequence 2)
- Language
- German
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Adam Röder Schöpfern und Ordnern des deutschen Staates und dabei in einem Atem Friedrich „den Großen", Stein, Bismarck, Naumann, Eberl und Hugo Preuß zusammenbringt. Dem Schlesier Hellpach hätte wahrlich Maria Theresia — wenn schon überhaupt auf „Monarchen" abgehoben werden soll — näher gelegen, als der kaltherzige Hohenzoller, der doch auch nicht mit einem einzigen nationalsittlichen Gedanken an Deutschland gedacht hat! Hellpach ist als Wissenschafter Anthropolog, Biolog und Psycholog und außerdem demokratischer Politiker, so daß ihn das „Völkische", das „Rassenproblem" naturgemäß stark beschäftigt. Will man Hellpach in seiner Stellung zur Judenfrage verstehen, so muß man seine Gesamteinstellung zum Problem des Rassischen und Völkischen berücksichtigen. Es kann im Rahmen eines kurzen Artikels eine ausführlich-kritische Darstellung des Hellpach'schen Standpunktes nicht gegeben werden und so muß ich mich mehr summarisch mit einigen Lapidarsätzen begnügen. Hellpachs Haltung dem rassischen Gesamtprobleme gegenüber ist nicht klar, nicht einheitlich, nicht durchsichtig genug. Hellpach hinkt nach mehreren Seiten. Er ist selbstverständlich diszipliniert genug, um nationalistische Rassentheorien abzuweisen. Aber man merkt es allzudeutlich, daß der Lesestoff von Gobineau, Lapouge, Ammon, Wilser, Chamberlain und anderer Apologeten des „Rassenbluts" nicht spurlos an seinem Denken vorübergegangen ist und seine Einfühlungen bestimmt. Es ist dies darum wichtig festzuhalten, weil diese seine Einstellung gerade in der Judenfrage zum Ausdruck kommt, wo der humanitäre Kulturpolitiker Hellpach mit dem rassisch intendierten Anthropologen und Biologen in Konflikt gerät, wenn es sich darum handelt, einen absolut festen Beurteilungsstandpunkt einzunehmen gegenüber dem ,,Bmts"-Standpunkt mit all seinen Quisquilien des salonmäßigen Antisemitismus. Hellpach schreibt: „Man würde den Fehler nur umkehren, nicht ausmerzen, wollte man selber alle Rassigkeit im Aufbau des Volkstums leugnen. Volkstum ... soll die eigentümliche, fast geheimnisvolle Einheitlichkeit der äußerlichen und innerlichen Erscheinungsweise bezeichnen, die ein Volk im Unterschied von andern Völkern darbietet. Den Verdichtungskern dieser Einheit bildet die Sprache; rechts und links von diesem Gemeinbesitz zerfließen die Gemeinsamkeiten des Exterieurs und der Mentalität bis ins nicht mehr Greifbare — dennoch zweifelt niemand daran, daß man im Auslande die Mehrzahl der Deutschen auf den „ersten Blick erkennt, auch ohne daß sie den Mund a u f t u n und daß es bei aller kosmopolitischen Nivellierung auf den verschiedensten Darseinsgebieten einen spezifisch deutschen Geist ... gibt." So argumentieren alle Politiker, Anthropologen und Biologen von rassischer Einstellung auch den Juden gegenüber. „Auf den ersten Blick", „ohne daß sie den Mund auftun". Es ist festzustellen, daß die generelle Behauptung Hellpachs vollkommen falsch ist. Wenn der Deutsche nicht gerade ungewaschen, mit Schillerkragen, Rucksack und Nagelschuhen im Ausland erscheint, erkennt ihn niemand auf den „ersten Blick", ohne daß er „den Mund auf tut". Hellpach selbst wird im Ausland niemals als Deutscher klassifiziert werden. Eher als 394