Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Die "Judenfrage" in Hellpachs "Politischen Prognosen"
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 393 (sequence 1)
- Language
- German
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Die „Judenfrage" in Hellpadis „Politischen Prognosen" Von Adam Röder Willy ifellpachs Entwicklung zum Politiker ist jüngeren Datums; sie ging etwas plötzlich und abrupt vor sich. Die Neurologie durfte von ihm Großes erwarten; da brach er plötzlich aus dem umfriedeten Gehege des Spezialstudiums aus — Hellpach war noch vor wenigen Jahren in Karlsruhe Spezialarzt für Nervenkranke —, ging unter die Politiker, wurde Demokrat, um in raschem Aufstieg im Freistaat Baden erst Kultusminister, dann Staatspräsident zu werden. Bei der zweiten Reichspräsidentenwahl war er der Kandidat der Demokratischen Partei. Dann übertrug man ihm eine Professur in Heidelberg und bei den letzten Wahlen wurde er auf der Reichsliste der "Deutsch-Demokratischen Partei in den Reichstag gewählt. Das ist die politische Laufbahn Hellpachs in einem Zeitraum von 6—7 Jahren. Kulturpolitisch ist Hellpach mit verschiedenen da und dort angefochtenen Werken hervorgetreten. Der jetzt 51 jährige steht im Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Die rasche politische Karriere Hellpachs beruht wohl auf seiner meisterlichen Beherrschung des freien Wortes, diese auf einer glücklichen Mischung des slavischen und deutschen Wesens. Mischlinge sind immer künstlerisch intendiert und repräsentieren aus den genetisch-biologischen Spannungsverhältnissen heraus den Typ gesteigerter Intellektualität, sofern sich das Individuum überhaupt auf der Ebene geistiger Leistimgsfähigkeit bewegt. Die Anpassungsfähigkeit Hellpachs ist außerordentlich; seine politischen Begabungen haben sich in der praktischen Arbeit rasch entfaltet und die ironisch Kritisierenden aus den „beteiligten Kreisen" schnell, wenn auch nicht ganz, zum Schweigen gebracht. Hellpach ist auch als Schriftsteller fruchtbar; seinem labilen Geist entspricht die bewegliche Hand des rasch sichtenden Schriftstellers. Diese kurze Charakteristik mußte vorausgeschickt werden, um Hellpachs jüngstes Buch „Politische Prognosen" verständlich zu machen unter dem besonderen Gesichtspunkt, wie sich dieses Buch zur „Judenfrage" stellt. Denn nur um diese handelt sich's für uns in dem umfänglichen Band, in dem Hellpach fast alle hauptsächlichsten Gebiete der Politik abwandelt. Überflüssig zu sagen, daß Hellpach immer geist- und gedankenvoll ist auch dort, wo ihm viele widersprechen werden, schon auf der ersten Seite, auf der er sein Buch widmet allen Denkern. 393