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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 390

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Heinrich Heine
Date
1928-10-01
Page
390 (sequence 8)
Language
German
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Kurt Eckstein lichkeiten und Krankheit seine stolze Kraft schwächen, auch offen zu dieser Partei der Kranken. Ein Ton von Wehmut und Resignation kommt nun in seine Dichtungen, der ihnen auf der Höhe seiner Kraft fremd war. In seiner; Jugenddichtung findet sich ebenfalls dieser Zug von Wehmut; jedoch gibt er sich noch weich und sentimental. Der Weltschmerz ist noch nicht aus echtem Erleben geboren. Jetzt aber klingt er aus geläuterter Seele. Heine nimmt die Last des Ertragens auf sich. Reiner und gesteigerter als bisher lebt in ihm das dem jüdischen Bewußtsein so tief eingewurzelte Verlangen nach Gerechtigkeit, nach einer Gerechtigkeit, die auf die allgemeinsten Zusammenhänge des Weltlaufs abzielt Immer durchgeistigter sind seine letzten Schriften. Wie das geistige Prinzip in ihm schließlich die Vorherrschaft gewinnt, tritt auch seine Nähe zum Judentum deutlicher hervor. Aus dieser Stimmung erklingen die „hebräischen Melodien". Freilich ist er nicht zu einem bestimmten Glauben zurückgekehrt, an dessen Lehren und Dogmen er sich nun klammerte. Von den alten Griechengöttern, deren Palladin er war, als er noch „im Zenith seines Fettes" stand, als er „noch Fleisch und Heidentum an sich" hatte, hat er sich abgewendet, aber scheidend in Liebe und Freundschaft. Ihn überfiel das himmlische Heimweh. Er begehrt einen Gott, der zu helfen vermag, und so anerkennt er auch die Attribute, ohne die ein solcher Gott nicht zu denken ist. Er wendet sich, wie er sagt, dem alten Aberglauben wieder zu. „Ja", ruft er aus, „ich bin zurückgekehrt zu Gott, wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei den Hegelianern die Schweine gehütet". Seine Spottlust ist nicht ertötet; aber sie richtet sich nicht mehr gegen die Ideen, denen er früher feindlich gegenüberstand. Sein Witz rankt sich auf an der Vergleichung der unvollkommenen Zustände mit dem Ideal, das der Geist sich bildet. Sein Spott, der früher seiner Rastlosigkeit und Zerspaltenheit entsprang, wendet sich jetzt — ohne den verletzenden Stachel — gegen Menschliches-Allzumenschliches, und auch sich selbst verschont er nicht Seine Wandlung entspringt nicht feiger Angst, die so viele Menschen kurz vor ihrem Ende überfällt und sie bedenken läßt, daß es droben in jenem „unentdeckten Land, von des Bezirk kein Wandrer wiederkehrt", doch vielleicht eine Vergeltung geben könne. Es ist kein furchtsames Ducken in Heines Umkehr, kein reumütiges Zu-Kreuze-Kriechen. Von den beiden Prinzipien, die so lange in Heines Brust gegeneinander rangen, hat das geistige schließlich den Sieg davongetragen. Der Widerstand der sinnlichen Mächte ist gebrochen. Vor allem verdankt er die Wiedererweckung seines reli- 390

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