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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Heinrich Heine
Date
1928-10-01
Page
388 (sequence 6)
Language
German
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Kurt Eckstein in sich geschlossenen Form. Aber was ihm an jüdischer Wesensart bleibt, ist nicht etwa der Rasse zuzurechnen, sondern der Geistesrichtung des Judentums, die seit Jahrtausenden von den Gemütern seiner Bekenner mit solcher Macht Besitz ergriffen hat, daß sie nicht leicht ausgemerzt werden kann. Diese Grundhaltung zur Welt verliert ihre Macht nicht, wenn die gedankliche Einstellung sich gewandelt hat. Sie erweist sich immer noch wirksam in der gefühlsmäßigen Reaktion, die zum Handeln antreibt und die häufig anders gerichtete Vorsatze durchkreuzt und zunichte macht Das Gefühl beharrt gern in seinem Kreise und folgt nur widerwillig dem behenderen Gedanken. Eis ist wohl ein ganz seltener Fall, daß jemand sich den Einwirkungen de* Spiritualismus, sei es in jüdischer oder christlicher Form, entziehen kann. Der einzige vielleicht unter den Neueren, von dem wir mit einiger Sicherheit sagen können, daß er über diese Bindungen hinausragte, ist Goethe, der „große Grieche", wie Heine ihn nannte. Goethe, so lautet Heines bewunderndes Zugeständnis, gab dem Geistigen die volle Versinnlichung, ihm war die volle Übereinstimmung der Persönlichkeit mit dem 1 Genius zuteil. Heine glaubte sich zwar oft neben Goethe als „Heide Nr. II" betrachten zu dürfen: aber er fand doch nur selten den Weg zu der in sich ruhenden Form klassischer Schönheit. Sein Bilden war zu sehr von der modernen Unruhe und Subjektivität bestimmt, die ihren Grund eben im Spiritualismus hat. So sehen wir bei ihm selten die konsequente Durchführung eines Themas, er springt häufig ab von der geraden Linie der Darstellung und nimmt durch Assoziationen Seitenthemen auf. Innerhalb dieser Grenzen fehlt es ihm allerdings nicht an bewußten Formen. (Typisches Beispiel: Florentinische Nächte.) Ganz im Unterschied zu Goethe, der das Göttliche in der Natur erlebt und sie die Sprache, die er aus ihr erlauscht, reden läßt, gewinnt Heine sein Naturerlebnis durch ein aktives Verhalten, er belebt die Natur mit Bildern, die menschlicher Tätigkeit entstammen, er gibt ihr nicht nur menschliche Gefühle, sondern auch menschliche Impulse und Gewohnheiten, und er färbt die Stimmung durch intellektualisierte Visionen. Hier ist deutlich die Entfernung, wenn nicht gar Entfremdung von den frischen, strömenden Quellen der Natur zu spüren. Die spiritualistische Grundrichtung seines Naturells reißt ihn immer wieder aus der geraden Bahn einfachen, naturnahen, formbestimmten Gestaltens. Das Leben im Geistigen ist bei ihm intensiver als in den Sinnen, die ganz eigentlich den Menschen mit der Natur verbinden und für seine Nähe zu ihr entscheidend sind. Ihm war der einheitliche, unmittel- 388

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