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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 387

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Heinrich Heine
Date
1928-10-01
Page
387 (sequence 5)
Language
German
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■1 7 Heinrich Heine von Geist und Leib unter einem andern Gesichtspunkt fortsetzen. Man kann nicht ohne weiteres zurück zur heidnischen Zeit. Der Spiritualismus hat der Menschheit eine Bereicherung gebracht, die nicht mehr zu entbehren ist So muß man weiter, vorwärts, einem neuen Weltzeitalter zu, um Thesis und AntiLthesis in einer Synthesis zu vereinen, die Gegensätze in einer neuen, großartigen Zusammenfassung aufzuheben und damit die ursprüngliche Geisteshaltung auf höherer Stufe zu vollenden. Notwendig treibt die Gegenüberetellung von Sensualismus und Spiritualismus Heine weiter zur Idee vom Dritten Reich. Jetzt soll endlich Friede geschlossen werden zwischen Leib und Seele. Nicht mehr unterjocht der Geist den Leib, nicht mehr sucht die Materie den Geist unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Leib und Geist wirken zusammen in vollendeter Harmonie. In der innigen Verschmelzung der nazarenischen und hellenischen Lebensansicht sieht Heine das Heil der Menschheit, das Heraufdämmern eines glücklicheren Zeitalters. Dann wird die Religion der Freude die Gemüter emporheben zu einem reineren kraftvollen Leben. Geistigkeit und Sinnlichkeit stehen sich nicht mehr fremd und feindlich gegenüber. Der Leib verkörpert den Geist, der Geist adelt den Leib. Erst die Einheit beider schafft den vollkommenen, den allseitigen Menschen. * Es scheint, daß sich Heine mit diesen Anschauungen am weitesten vom Judentum entfernt hat Sicher. ist dem so, so weit positive Gläubigkeit in Frage kommt Aber wenn auch die Gemeinschaft mit dem Judentum ganz zerrissen schien, weim Heine nun auch in der jüdischen Wesensart Feindseliges und Hemmendes erblickte, so bleibt doch die Frage, ob er sich innerlich von dem Einfluß dieser spiritualislischen Wesensart befreien konnte. Eben, daß er in ihr etwas Feindseliges und Hemmendes sah, läßt erkennen, daß er sie noch nicht überwunden hatte, daß ihr Einfluß noch irgendwie in ihm wirksam war. Die Bekämpfung des Religiösen bedeutet immer die Bekämpfung religiöser Wirksamkeiten im Kämpfenden selbst. In ihm sind sie lebendig, und da sie hier angetroffen werden, geben sie erst eigentlich Grund zur Befehdung. Das Verhältnis zur Welt macht das eigentliche Wesen des Judentums aus. Es bedingt und durchdringt Glaubenslehren und Gebräuche und gibt jeder Äußerung des Lebens ihre eigentümliche Färbung. Aus dieser Erwägung ist begreiflich, daß ein Mensch darum noch nicht aufgehört hat, Jude zu sein, weil er die Glaubenslehren leugnet und die Gebräuche nicht hält. Sicherlich lebt er in diesem Falle nicht mehr im Sinne der jüdischen Religion als einer 387

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